Die Kosten für einen Bankkredit setzen sich aus Zinsen und Gebühren zusammen. In der Wirtschaft weiß man, warum das so ist. Man weiß aber auch, daß der Kredit eine Ware wie jede andere darstellt, über deren Preis sich handeln läßt. Nach Meinung der Deutschen Bundesbank hat es Zeiten gegeben, in denen mehr als 50 Prozent des Kreditvolumens der Kreditbanken zu Sonderkonditionen bewilligt worden sind. Sonderkonditionen heißt in diesem Fall, zu niedrigeren Zinssätzen, als sie im sogenannten „Soll- und Habenzins-Abkommen“ als Höchstsätze vorgeschrieben sind. Aber das ist nicht das eigentliche Thema unseres heutigen Gesprächs. Vielmehr wollen wir uns – meine verehrten Leser – über zwei Kreditarten – die den „Normalverbraucher“ besonders interessieren – ausführlicher unterhalten.

Mit großem Werbeaufwand hat das Kreditgewerbe den sogenannten „Kleinkredit“ und den „Anschaffungskredit“ propagiert. Als Sonderform sollen diese beiden Arten hier nicht behandelt werden. Beschäftigen soll uns vielmehr der Bar-(Kontokorrent-)Kredit. Zu seiner Erläuterung lasse ich hier meinen ehemaligen Kollegen und heutigen Abteilungsdirektor der Dresdner Bank, Bernd P. Weinstein, zu Worte kommen, der dieses Thema in seinem jetzt in der 3. Auflage erschienenen Buch „Bankverbindung richtig nutzen“ – erschienen im Verlag Moderne Industrie, München – u.a. behandelt. Er schreibt:

„Für fest vereinbarte Barkredite wird berechnet an Zinsen 1/2 Prozent über Lombardsatz, dem Satz also, zu dem die Bundesbank ihrerseits gegen Pfand für längstens drei Monate Kredit gibt. Dieses ergibt 4 1/2 Prozent Zinsen per anno (jährlich). Die Berechnung erfolgt von der jeweiligen Kreditinanspruchnahme. Wem z. B. 50 000 DM Kredit eingeräumt sind, davon jedoch nur 38 000 DM ausnützt, zahlt 4 1/2 Prozent auf diese 38 000 DM. Ferner wird eine Kreditprovision erhoben. Sie ist in der Sicht der Banken eine Liquiditäts-Risikoprämie. Man muß nämlich davon ausgehen, daß viele Kreditnehmer normalerweise die ihnen eingeräumten Kredite kaum voll in Anspruch nehmen. Sie wollen sich eine Kreditreserve sichern, einen „Regenschirm“ für Konjunkturgewitter. Wenn aber das Konjunkturgewitter hereinbricht, wenn vielleicht von der Bundesbank aus irgendwelchen kreditpolitischen Beweggründen eine Kreditrestriktion verhängt wird, um Kredite knapper und teurer zu machen, werden Schuldner ihre Kredite voll in Anspruch nehmen. Dafür müssen die Banken stets gerüstet sein. Sie müssen Reserveliquidität hierfür halten. Das lassen sie sich bezahlen. Als Faustregel läßt sich für den Bereich des kurz- und mittelfristigen Kredits schätzen, daß bei rund 65 Milliarden DM ausgenutzten Krediten ca. 20 bis 25 Milliarden DM nicht ausgenutzte Kreditlinien wohl zugesagt sein werden. Die Kreditprovision beträgt 1/4 Prozent pro Monat auf die zugesagte (vertraglich vereinbarte) Kreditsumme und Kreditlaufzeit und wird ab Kreditzusage monatlich im voraus berechnet. Pro anno ergibt sich somit ein Kreditprovisions-Höchstsatz von 3 Prozent. Insgesamt kostet folglich bei 4 Prozent Diskont- und 4 Prozent Lombardsatz der Notenbank der Bar-(Kontokorrent)-Kredit im Höchst- (und angestrebten Normal-)Satz 4 1/2 Prozent Zins auf die Kreditinanspruchnahme plus 3 Prozent Provision auf die zugesagte Kreditsumme. Anstelle einer getrennten Berechnung nach Soll-Zinsen und Kreditprovision kann auch ein Nettosatz der beiden Preisarten zusammengefaßt gewählt werden.“

Soweit Bernd P. Weinstein. Dazu ist zu sagen, daß die von ihm berechneten Kosten die üblicherweise in Hamburg geltenden Konditionen darstellen; sie können in anderen Ländern der Bundesrepublik voneinander abweichen, sie können unterschritten werden, denn die Banken befinden sich ja im harten Wettbewerb miteinander.

Die ganz klugen Leute überlegen sich natürlich, wie sie die Provision für einen noch nicht in Anspruch genommenen, aber zugesicherten Kredit sparen können. Sie gehen dann zu ihrer Bank, wenn sie den Kredit brauchen. Dann laufen sie allerdings Gefahr, daß ihnen der Kredit nicht bewilligt wird. Diese Ungewißheit ist keine Basis für einen normalen Geschäftsbetrieb.

Aber was Sie, meine verehrten Leser, am meisten interessieren wird, ist der sogenannte Überziehungskredit. Er kommt in Frage, wenn Sie vorübergehend über eine größere Summe verfügen müssen als Ihr Kontostand ausweist. Dazu wieder Weinstein:

„Überzieht ein Kunde ohne Vereinbarung (auch ohne bankinterne Vormerkung einer gelegentlichen Uberziehungsmöglichkeit; dann würden die Normalkonditionen für Barkredite gerechnet) sein Konto, so werden die gleichen Sollzinsen, also 4 1/2 Prozent jährlich, gerechnet. Hierzu tritt, anstelle der Kreditprovision, die Überziehungsprovision, die höher sein muß als die Kreditprovision, weil die Bank zwangsläufig auf Überziehungen und damit auf die willkürliche Verwendung ihrer Mittel nicht vorbereitet sein kann, folglich für die Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsbereitschaft zusätzliche Aufwendungen hat. Diese Überziehungsprovision beträgt 1/8 pro mille per Tag, per anno somit 4 1/2 Prozent. Sie wird vom überzogenen Betrag erhoben. Wenn also, im Beispiel, ein Unternehmen 50 000 DM Kredit hat, auf 55 000 DM jedoch überschreitet, so ist die Überziehungsprovision für die Dauer der Überschreitung auf 5000 DM zu berechnen. Insgesamt kosten Überziehungskredite, die im allgemeinen nur für wenige Tage in Anspruch genommen werden, auf das Jahr berechnet im Höchstfall 9 Prozent.“