Jetzt bestellt die Sowjetzone auch Kalisalze in der Bundesrepublik. Dabei verfügt sie über Lagerstätten von etwa 8 bis 9 Mrd. t Kali, von denen im Jahr rund 1,8 Mill. t abgebaut werden. Und davon verkauft sie fast 60 Prozent ins Ausland, hauptsächlich in die Sowjetunion. Der Hunger der Russen nach Düngemitteln scheint so groß geworden zu sein, daß die Zone nicht einmal mit ihren reichen Kalivorkommen dabei helfen kann.

Die Lieferungen, von Stickstoffdünger aus der Bundesrepublik rollen inzwischen an. Für einen Teil der Menge von 100 000 t für 1964 ist die Genehmigung erteilt worden. Sie werden normal über Konto 2 des Interzonenhandels abgewickelt. Das Argument, die Bundesrepublik rede nur immer von den „Brüdern und Schwestern“ in der Zone, wolle aber nicht helfen, wenn wichtige Güter gebraucht werden, stimmt also nicht.

Mit ihren Lieferungen an die Sowjetunion erhöht die Zone übrigens auch ihre Kaufkraft in Rußland; sie kann dafür mehr Rohstoffe oder Halbwaren von dort einführen.

Der Importbedarf der Zone scheint enorm zu wachsen. Anzeichen dafür gab es schon auf der Leipziger Messe. Da Devisen knapp sind in Pankow, hält man sich weiter an bewährte Lieferanten wie die Ostblockländer und die Bundesrepublik. Vergleicht man jetzt die Bestellungen der Zone im Interzonenhandel während der ersten vier Monate mit denen im gleichen Zeitraum des Vorjahres, dann stellt man erstaunt-fest, daß sich auf dem Konto 1 eine Zunahme um 75 Prozent ergeben hat und auf dem Konto 2 ein Zuwachs von 35 Prozent. Wenn das so weitergeht, werden wir ein Rekordjahr im Interzonenhandel erleben. 1963 hat es eine Steigerung um 7,4 Prozent auf 1,94 Milliarden DM gegeben. Dabei hat Pankow mehr Waren in den Westen geliefert und seine Bezüge aus dem Bundesgebiet kaum erhöht. Jetzt wird nachgeholt. Fragt sich nur, wie die Zone das bezahlen will. W. P.