Auf die Frage, welche Hoffnungen er denn auf die Konferenz in Genf setze, antwortete ein Delegationschef: „Hoffnungen? Die Verhandlungen werden zwei Jahre dauern – und wir können von Glück sagen, wenn sie dann wenigstens mit einem Teilerfolg enden.“

Diese Worte galten nicht etwa einem der endlosen Ost-West-Dialoge über die Abrüstung, sondern einer Arbeitstagung mit handfesten Zielen: der Kennedy-Runde des GATT. Die mehr als sechzig Mitgliedsstaaten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens, auf die etwa vier Fünftel des Welthandels entfallen, wollen über eine Senkung der Zölle um 50 Prozent beraten.

Trotz langer Vorbereitungszeit stand die Konferenz bei Beginn nicht gerade unter glücklichen Vorzeichen. Das wird schon daran deutlich, daß knapp ein Drittel der Mitgliedsstaaten des GATT überhaupt nicht an der Eröffnung teilgenommen hat. Noch schwerwiegender ist die Tatsache, daß sich die beiden wichtigsten Verhandlungspartner, die USA und die EWG, in den vorbereitenden Gesprächen eher voneinander entfernt haben.

In Amerika wächst vor allem bei der Stahl- und der chemischen Industrie der Widerstand gegen Zollsenkungen. Die EWG sieht sich durch die Haltung Bonns blockiert: die deutsche Weigerung, einen einheitlichen Getreidepreis zu akzeptieren, droht die Verhandlungen scheitern zu lassen, denn die USA bestehen auf einer Einbeziehung der Agrarprodukte.

Welch weiter Weg von der Konzeption der Kennedy-Runde zu dem Beginn der Verhandlungen! Präsident Kennedy wollte durch seinen Trade Expansion Act, der die Zustimmung des Kongresses zur Abkehr von der in Amerika traditionellen Schutzzollpolitik brachte, eine wirtschaftliche Arbeitsteilung zwischen Amerika und Europa herbeiführen und damit eine Atlantische Partnerschaft begründen.

Die Idee ist vergessen, nur der Name ist geblieben: in Genf ist nicht mehr von politischer Partnerschaft die Rede, sondern nur von Kontingenten, Disparitäten und Zollpunkten.

Dennoch bleibt das Ziel – Ausweitung des Welthandels durch Halbierung der Zölle – wichtig genug. Und keiner der Beteiligten sollte Opfer scheuen, gerade die Bundesrepublik nicht, die zum größten Exportland der Welt wird und deren Kanzler immer wieder versichert, ein freier Welthandel sei die Voraussetzung politischer Stabilität. Diether Stolze