Zwischen den von Wasserstoffballonen erreichbaren Höhen und den Umlaufbahnen der künstlichen Satelliten, also zwischen 30 und 200 Kilometern über der Erdoberfläche, klafft eine Lücke, die, weil man zu ihr nur mit Raketen vordringen kann, Raketenlücke genannt wird. Diese noch wenig erforschte atmosphärische Schicht ist für die Meteorologie von großer Bedeutung, weil sich hier die Ozonschicht und ein Teil der Ionosphäre befinden, in denen höchstwahrscheinlich Prozesse ablaufen, die auf das irdische Wetter einen starken Einfluß ausüben.

Das muß man wissen, um zu verstehen, warum die Erfindung des Kunststoffphysikers aus Offenbach, Karl P. Brück, soviel Aufsehen erregt hat: die Kunststoffrakete, die relativ billig herzustellen, dabei jedoch leistungsfähig ist, und die besonders die Eigenschaft hat, nach Erfüllung ihrer Aufgabe sich selbst zu zerstören.

Höhenforschungsraketen aus Metall gibt es für meteorologische Zwecke in den USA schon seit mehreren Jahren. Dort darf man sie auch ohne Bedenken einsetzen, weil genügend große unbesiedelte Gebiete vorhanden sind, in denen die Flugkörper gestartet werden und deren Trümmer herabfallen können.

In dicht besiedelten Gebieten aber, also zum Beispiel in ganz Europa, ist es aus Sicherheitsgründen nicht möglich, derartige Raketen zu verwenden. Die herabfallenden Teile würden die Bevölkerung ernsthaft gefährden – deshalb mußte auch der Deutsche Wetterdienst zum Erprobungsschießen mit amerikanischen Wetterraketen nach Sardinien ausweichen.

Hinzu kommt, daß gelegentliche Nadelstiche in den Luftozean mit vereinzelten Forschungsraketen den Meteorologen wenig nützen. Sie brauchen täglich Meßergebnisse, die über dem gesamten Erdball von Raketen aus an die Wetterstationen gefunkt werden, um bessere Wettervorhersagen zu erzielen.

Aus den Raketenaufstiegen in den USA, an deren Auswertung sich auch der Deutsche Wetterdienst unter Leitung von Dr. H. Faust beteiligt, hat sich ergeben, daß es in der Raketenlücke mehrere Windfelder von Über-Orkanstärke gibt, deren Richtung sich im Frühjahr und im Herbst regelmäßig ändert. Wir wissen auch, daß sich die Erdatmosphäre unter dem Einfluß der ultravioletten Sonnenstrahlung und der Plasmawolken aus dem Weltall aufbläht und zusammenzieht, und es gibt gute Gründe für die Vermutung, daß dadurch hervorgerufene Veränderungen in der Ozonkonzentration und -verteilung einen starken Einfluß auf die dynamischen Prozesse in der Hochatmosphäre, damit letztlich auch auf unser Wetter, ausüben.

Das alles ist jedoch nur bruchstückhaft bekannt. Ohne erdumspannende tägliche Routinemessungen in der Raketenlücke kommt die Meteorologie hier nicht weiter. Aber finanzielle Schwierigkeiten und technische Mängel an den bislang zur Verfügung stehenden Raketen haben größere Fortschritte in dieser Richtung vorerst verhindert. Doch just diese Hindernisse kann die Kunststoffrakete „Niko“ überwinden.