28. April-5. Mai 1964

Als geheilt entlassen: Charles de Gaulle kehrt aus der Cochin-Klinik in den Elysée-Palast zurück. Frankreich ruft seine Marine-Offiziere aus den NATO-Stäben ab. Einheitliche Uniformen für Soldaten der Allianz-Partner wurden in Koblenz vorgeführt. Bundesverfeidigungsminister Kai-Uwe von Hassel unterschreibt in Ankara ein Rüstungshilfsabkommen. Das orthodoxe Osterfest unterbricht die Kampfhandlungen auf Zypern. Nikita Chruschtschow und Fidel Castro sprechen in Mai-Reden von Kriegsgefahr um Kuba. Tschechische Studenten demonstrieren in Prag.

Ludwig Erhard wiederholt in Berlin: Wir sind zu Gesprächen mit dem Osten bereit. Kommunistische Länder sondieren in verstärktem Maße auf der Hannover-Messe. Helios-Handelszentrale in Westberlin wurde geschlossen. Passierscheingespräche gehen weiter. SED erwirkt Zurücknahme der Einladung an Hersfelder Landrat Edwin Zerbe. DDR-Ex-Außenminister Georg Dertinger wurde aus dem Zuchthaus Bautzen entlassen. Eugen Gerstenmaier erntet für Neubauprojekt des Bundestages Beifall und Ablehnung. Das Parlament beschließt Untersuchung der Wettbewerbsverhältnisse bei Presse, Funk, Fernsehen und Film.

*

Z wei-Fronten-Niederlage im Fußball: Deutsche Nationalmannschaft verliert gegen Tschechoslowakei 3 : 4, Deutscher Meister Borussia Dortmund gegen Inter Mailand 0 : 2. Nach einem Sieg über Belgien trifft die deutsche Davis-Pokal-Mannschaft auf die Tennisspieler der Sowjetunion.

Bonn erteilt Visa für Bolschoi-Ballett. Dresdener Atomphysiker Manfred von Ardenne erhält keine Einreise-Erlaubnis für Kanada. Der 10 000-Dollar-Prix Formentor geht an die Berliner Schriftstellerin Gisela Elsner für die „Riesenzwerge“. Frankfurter Hädrich-Inszenierung der Böllschen Funkparodie „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ gewinnt einen Preis beim Internationalen Fernseh-Festival in Cannes. Renoirs „Mädchen kämmt ihr goldenes Haar“ bringt bei einer Londoner Versteigerung fast 70 000 Mark. Peter-Weiß-Premiere in Berlin hat großen Erfolg. Die Sowjets klagen über Sex-Probleme an ihren Universitäten. In Indonesien wird „entartete“ Literatur verbrannt

In Genf begann die Weltkonferenz über die Kennedy-Runde. Mannesmann und Rheinstahl senken die Dividende. Wankel-Wagen gehen in Serienfertigung. Die ersten dreißig Wartburg-Autos aus der DDR wurden nach England exportiert. Deutschlands einziger Weinbau-Minister wendet sich zu Beginn der Weinwoche gegen Einheitswein.

Hollands Königin Juliana verfolgt am Vorabend ihres 55. Geburtstages die Trauung ihrer Tochter Irene im Fernsehen, Die Herzogin von Kent bringt das dritte, Prinzessin Margaret das vierte königliche Baby zur Welt. Christine Keeler-Partner Ewgenjew Iwanow wurde von einem Leningrader Marine-Gericht vom Vorwurf undiplomatischen Verhaltens und der Schädigung der Sowjetunion im Ausland freigesprochen. Film-Prinzessin Soraya soll übertritt zum Katholizismus planen. Nancy Lady Astor, das erste weibliche Mitglied des Unterhauses, starb im 85. Lebensjahr. Ein 760 000-Mark-Lotfo-Gewinner aus Herne unternahm mit seiner Belegschaft eine Vergnügungsfahrt nach New York zur Weltausstellung.