Dieser urige, weltungewandte, breite Altbayer war keiner literarischen Richtung, keiner Clique, keiner noch so dehnbaren Tendenz verpflichtet und wohl das unakademischste Mitglied zweier Akademien. Seine künstlerische Unabhängigkeit ging soweit, daß er es sogar verschmähte, durchaus gangbare Wege zur Popularität zu beschreiten, wie sie etwa die Mitarbeit bei Zeitschriften, Zeitungen oder beim Rundfunk eröffnen. Georg Britting wollte partout „nur“ Dichter sein – und er war es in so exklusivem Sinne wie kaum ein anderer wort- und schriftbeflissener Zeitgenosse.

Der gesellige Einzelgänger, der schweigsame Unterhalter, der genußfrohe Zecher und Wirtshausgast, der doch andererseits so genügsam sein konnte – alle diese Erscheinungsformen Brittings waren ein Teil jener allgegenwärtigen dichterischen Substanz. Aber ebensowenig wie diese sich etwa als poetisches Gehabe oder ästhetische Salbaderei der Umgebung aufgedrängt hätte, ebensowenig hätte sie sich in lukrative Vielschreiberei umsetzen können. Die Dichtung Georg Brittings, gleichviel ob in Vers oder Prosa, verrät in jeder Zeile den bewußten Arbeiter am Wort. Kein Buchstabe, kein Komma findet sich in seinem Werke, die nicht selbstkritisch verantwortet wären.

Eine Zeitlang übte er sich auch in den abenteuerlichen Werkphantasien des Expressionismus. Doch ging daraus am Ende eine um so eigenere, ebenso ursprüngliche wie zuchtvolle Sprachkunst hervor, von köstlicher Reife in ihrer Farbenpracht oder ihrer sparsamen Zeichnung, in ihrer weichen Kontur oder ihrer harten Skandierung.

Das Schaffen dieses Dichters entsprang einem fürs Elementare offenen Daseinsgefühl. Er sog die Welt mit vollen Zügen ein, durchschaute sie mit scharfem Blick und bejahte sie dennoch mit genießerischer Liebe. In der strotzenden Lebensfülle, in der Sinnenfreudigkeit des Erdhaften, in der greifbaren Wirklichkeit der Natur spürte er die verborgene andere Wirklichkeit, das große Geheimnis.

Der Priester des Weins fragte auch nach den Rätseln des Todes. Ein ganzes Buch von Sonetten („Die Begegnung“) widmete er diesem Thema. Eines von ihnen, „Der schöne Tod“, schließt mit den Zeilen:

„Ach, wer so schön ist, ist von guter Art!

Und dich zu holen ist er ausgesandt?