Auf das kleine Lob, daß wir dem Baden-Württembergischen Unterkunftsverzeichnis in der ZEIT Nr. 19 gegeben haben, folgt hier das zweite: Es erreichte uns unerwartet. Sei’s drum: Wir veröffentlichen es gern, denn es ist nicht nur ausführlicher, sondern es gibt dem Reisenden überdies manchen guten Hinweis für seine Ferien.

So schlimm, sagte der Bauer aus dem Murgtal, das sich aus den Höhen des Schwarzwaldes hinunter zur Rheinebene zieht, ist es mit den Wildschweinen gar nicht. Wenn wir sie aber alle abgeschossen haben wollen, dann deshalb, weil ja vielleicht – schwäbische Wildsäue unter denen sein können, die hier auf einem badischen Acker herumwühlen! Dieses Zitat stammt aus einer Tagung von badischen Forstmännern, und es zeigt, wie streng die Bräuche im Südweststaat sind. Wer, der Grenzziehung zwischen Baden und Württemberg nicht kundig, einen Badener als „Schwaben“ bezeichnet oder umgekehrt, kann sich tiefe Feindseligkeit zuziehen, und nicht umsonst sind die Ost-West-Verbindungen vom Schwabenland zur Oberrheinebene so dürftig. Der Schwarzwald trennt die feindlichen Stämme, und man kennt sich nur vom Hörensagen.

In einem aber sind Badener (wir wiesen schon öfter darauf hin: man sage um Himmels willen in Baden niemals „Badenser“) und die alemannischen Artgenossen in Württemberg sich einig: In der Herstellung eines sporadisch erscheinenden Unterkunftsverzeichnisses mit dem nüchternen Titel: „Hotels, Gasthöfe, Pensionen – Baden-Württemberg“. Das neueste Exemplar dieses südwestdeutschen Wegweisers zu guten Betten und reich gedeckten Tischen ist gerade eben erschienen und trägt die Jahreszahlen 1964/65.

Schon das Titelblatt zeigt dem Reiseplaner, wo er überall mit jenem Führer durch Südwestdeutschland fahren kann – Baden-Württemberg ist viel größer, als es Nicht-Südweststaatler ahnen. Nicht nur Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb und die umliegenden Gebiete gehören dazu, sondern auch noch das Allgäu, Oberschwaben, das Donautal, das Neckarland, der Schwäbische Wald, Hohenlohe, der Taubergrund, der Odenwald, die Bergstraße, das Neckartal und der Kraichgau. Für jeden Geschmack ist also etwas vorhanden, und selbst für Großstadthungrige ist noch das „Reisegebiet“ Stuttgart aufgeführt.

Den Inhalt des Reiseführers kann man getrost aus seinen eigenen Erläuterungen zitieren: „Das Unterkunftsverzeichnis Baden-Württemberg gibt erschöpfend Auskunft über die Beherbergungsbetriebe des Bundeslandes hinsichtlich der Preisstellung und aller anderen wissenswerten Angaben.“ Stimmt. Man kann schnell herausfinden, daß das teuerste Frühstück im ganzen Lande vier Mark kostet, daß man aber andererseits (um nur ein Beispiel zu nennen) im „Hirschen“ zu Bettmaringen bei Stühlingen unweit der Schweizer Grenze im Schaffhausener Zipfel nur 1,50 Mark für das Frühstück, 2,50 Mark für das Bett und 8,50 bis 9 Mark für die Vollpension bezahlt – oder, um das andere Beispiel zu nennen, in Baden-Baden unschwer für einen Vollpensionstag 80 Mark loswerden kann (Mindestpreis: 15 Mark).

Man entdeckt auf dem Papier neue Bodensee-Paradiese, wie beispielsweise Dingelsdorf – ein bestimmt nicht überlaufener Ort, weil es dort nur 54 Fremdenbetten gibt; oder Gaienhofen, auf der Halbinsel Höri, wo es nur eine einzige Pension mit zwanzig Betten gibt. Sie kosten fünf bis sechs Mark, das Frühstück zwei; der Pensionspreis freilich hat schon wieder Bodenseeniveau: dreizehn bis fünfzehn Mark.

Viel billiger geht es, wie das Unterkunftsverzeichnis zeigt, am „Schwäbischen Meer“ nicht mehr. Oder doch? „Schienen“, steht dort, „Erholungsort auf waldigen Höhenrücken am Untersee.“ Dort gibt es einen Gasthof. Er heißt, wie sollte es anders sein, „Hirschen“; der hat achtzehn Betten zu drei bis vier Mark, Frühstück kostet 1,80 Mark, und Pension wird für zehn bis zwölf Mark angeboten.