Boom mit Arbeitslosen und ungenutzten Kapazitäten

In Amerika herrscht eitel Zuversicht. Selten war die Beurteilung der Wirtschaftslage so optimistisch, waren die Ansichten selten so übereinstimmend. Er sei „sehr erfreut“ über die bisherige Wirtschaftsentwicklung dieses Jahres, sagte Präsident Johnson, und sein Berater Walter Heller, der inzwischen aus privaten Gründen zurückgetreten ist, fügt hinzu: „Wir sind absolut zuversichtlich hinsichtlich des Jahres 1964.“

Dieser Optimismus wird in den Verwaltungen der Banken und der Industrie geteilt. „Wir haben das nötige Geld für ein langes und ständiges Wachstum der Wirtschaft“, sagte Charles S. Ricker, der Wirtschaftsanalytiker der National Bank of Detroit. Und der Finanzchef der Aluminium Co. of America in Pittsburg meint, die wirtschaftliche Entwicklung biete ein zufriedenstellendes Bild: „Der Trend geht aufwärts.“

Die„soaring sixties“ – die aufstrebenden Sechziger – wurden die sechziger Jahre getauft, kaum daß die Dekade begonnen hatte. Tatsache lich begann die wirtschaftliche Erholung wenige Wochen, nachdem Kennedy 1961 die Präsidentschaft angetreten hatte. Dieser Tage erlebten Amerikas Produzenten und Konsumenten den 38. Monat hintereinander mit immer besser werdendem Geschäft – die zweitlängste Periode wirtschaftlichen Wachstums in der Geschichte des Landes.

Doch nicht genug damit. Geschäftsleute und Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig, daß der Auftrieb bis in das Jahr 1965 hineindauern wird. Manche wetten sogar, daß er noch das ganze nächste Jahr anhält.

Offensichtlich ist in der Wirtschaft der notwendige Impuls für weiteren Aufstieg vorhanden. Amerikas Autoproduzenten haben für dieses Quartal eine Rekordproduktion von 2,2 Millionen Personenwagen vorgesehen. Aus den roten Backsteinhallen der Cadillac-Werke in Detroit rollen stündlich 42 Autos, womit die Leistungsgrenze erreicht ist. In den Steel’s Irvin Works bei Pittsburg werden wöchentlich 18 Schichten gearbeitet, um genügend Stahlblech für Autos und Haushaltsgeräte liefern zu können.

Die Konsumenten haben in diesem Jahr 5 Prozent mehr Haushaltsgeräte gekauft als im Vorjahr, das mit einem Produktionsanstieg von 11 Prozent schon ein Rekordjahr für die Haushaltsgeräteindustrie war. An der Börse haben die Aktienkäufer den Dow Jones Index seit dem 1. Januar um 8 Prozent auf 822,9 hochgeschraubt. Und über das Ostergeschäft sagt J. Gordon Dakins vom Einzelhandelsverband: „Es war schon fast so wie Weihnachten.“