Sowjetische Maschinen, Bagger und Lastwagen, sowjetische Ingenieure und Techniker haben beim Bau des Assuan-Hochdammes mitgeholfen, der in dieser Woche im Beisein Chruschtschows eingeweiht wird. Pläne und Idee des Hochdammes aber gehen auf Deutsche zurück.

Im Oktober 1953 wurde die Arbeitsgemeinschaft von „Hochtief“ und „Rheinstahl Union Brückenbau“ vom damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Nagib mit ersten Untersuchungen beauftragt. Der schwäbische Kaufmann Rudi Stärker hielt alle Fäden in der Hand. Er teilte die Bauarbeiten in zwei Abschnitte ein: Unterirdische Umleitung des Nilwassers, Bau der Vordämme, Grundierung in der ersten, Bau des Hauptdammes in der zweiten Phase.

Bei diesem Stand der Dinge entdeckte Nasser die Vorzüge des Schaukelspiels zwischen Ost und West. Hatten ihm die Amerikaner 1956 die Finanzierung des Hochdammes abgeschlagen, so waren die Sowjets nach der Suezkrise um so mehr bereit. Im Oktober 1958 erbot sich Chruschtschow, die erste Baustufe zu finanzieren. Die Kairoer Zeitung „Al Achbar“ jubilierte: „Der Bau des Sadd el Ali mit sowjetischer Hilfe ist eine Ohrfeige für den Westen.“

Kaum war die Nachricht aus Moskau bekannt, verlangte Rudi Stärker, Bonn müsse die deutschen Firmen unterstützen, wenn man im Rennen bleiben wolle. Im Vertrauen auf seinen Freund Samir Helmi, den Generalsekretär der obersten Dammbaubehörde Ägyptens, hielt er eine Aufgabenteilung mit den Russen für möglich.

Auch der damalige deutsche Botschafter in Kairo, Dr. Walther Becker, war zuversichtlich: „Deutschland ist die Brücke zwischen Ägypten und dem Westen. Was die ehemaligen Kolonialstaaten, England und Frankreich sowie das unbeliebte Amerika derzeit nicht tun können, muß die Bundesrepublik stellvertretend für den gesamten Westen im arabischen Raum tun.“ Becker bombardierte, genau wie Stärker, die Bonner Ministerien, man möge doch den Sowjets Paroli bieten.

Wenig später fand sich Generalsekretär Samir Helmi zum Generaldirektor einer Kunstdüngemittelfabrik hinaufbefördert. Die Fäden fingen an, Stärkers Händen zu entgleiten. Dieser Umschlag sprach sich aber nicht bis in die Bonner Ministerien herum. Am 23. Dezember wurde für Anfang Januar eine Regierungsdelegation in Kairo angekündgit. Das war Botschafter Dr. Becker nicht genug. Er schickte seinen Wirtschaftsreferenten, Dr. Franz Neumann, zu Wirtschaftsminister Kaissuni mit dem Angebot, daß die Bundesregierung beteiligten deutschen Firmen eine Ausfallbürgschaft von 200 Millionen gewähren wolle. Kairo antwortet nicht.

Zwischen Weihnachten und Neujahr bemühte sich Botschafter Dr. Becker verzweifelt um eine Audienz. Die Herren in Kairo waren alle „verreist“ oder „auf Urlaub“. Erst als DDR-Ministerpräsident Grotewohl in Kairo ehrenvoll empfangen wurde, wurde die Reise der Bonner Regierungsdelegation abgeblasen.