Von Hermann Funke

Urbanität heißt die Parole, unter der sich in den letzten Jahren eine neue städtebauliche Utopie entwickelt. Sie entsteht im Protest gegen die herrschende Städtebaupraxis.

Was ist geschehen?

Unsere Stadt, die Stadt, in der wir wohnten, arbeiteten, spazierengingen, die wir liebten, existiert nicht mehr. Sie wurde so lange entkernt, durchgrünt, entballt, verdünnt, saniert, ausgelichtet, bis sie nicht mehr da war.

Der Städter, einst stolz darauf, Städter zu sein, Bürger einer bestimmten Stadt, deren Eigenart ihm am Herzen lag, fand sich in gesichtslosen Wohngebieten wieder, in organischen Wohnknollen, die keine Bürger brauchen. Der Städter wurde in einen vor-städtischen Kulturzustand zurückversetzt.

In einer historisch einmaligen levée en masse wurde Hunderttausenden von Pflastertretern der Rasenmäher in die Hand gedrückt. Eine Zivilisation kehrte sich den Rücken.

Nachdem dies vollbracht ist, richtet sich der Blick der herrschenden Stadtplanung auf der Suche nach neuen Wirkungsplätzen in immer größere Weiten, auf „Regionalplanung“ und „Landesplanung“.