Von Dietrich Strothmann

Seine Landsleute nennen ihn voller Bewunderung einen "diplomatischen Zauberkünstler". Aber heute entspringt seinem Hut kein politisches Kaninchen mehr, und sein sonst so gewinnendes, jungenhaftes Lächeln ist der Resignation gewichen, sein strahlender Optimismus der Skepsis, dem Mißmut.

Seit Sakari Severi Tuomioja vor nun schon zwei Monaten den "härtesten Job" übernahm, den die UN derzeit zu vergeben hat – die Rolle eines Vermittlers auf Zypern –, hat er viele Rückschläge und Mißerfolge erlitten. Trotzdem hat er den fast verbissenen Willen nicht verloren, doch noch "das Beste aus der Sache" zu machen. Darin ist der von U Thant bestellte Schlichter zwischen den Türken und Griechen, zwischen den türkischen und griechischen Zyprioten zu sehr der waschechte Typ des Finnen, der es gewohnt ist, nicht sogleich aufzustecken.

Tapfer sind sie, die Finnen, mutig, entschlossen, für die Sache einzustehen, der sie sich einmal verschrieben haben. Dies sind Eigenschaften, die auch dem 52jährigen, schwergewichtigen, hochgewachsenen, rotblonden Nordländer eigen sind. Als Tuomioja, vom UN-Generalsekretär mit dem neuen Posten betraut, in New York den neugierigen Journalisten gegenübertrat, erklärte er voller Zuversicht: "Ich muß optimistisch sein, sonst hätte ich die Aufgabe nicht übernommen." Das war Ende März. Nun aber, zwei Monate später, entgegnet er ihren bohrenden Fragen nur mit einem unwirschen, abwehrenden: "No comment."

Auf Zypern ist nicht nur die UN auf eine neue, harte Probe gestellt. Hier entscheidet sich, wie zuvor am Kongo, nicht allein, ob die Vereinten Nationen als Weltfriedensorganisation Bestand haben werden. Auf diesem Schauplatz einer blutigen Krise, deren Ausgang noch nicht abzusehen ist, muß sich auch ein einzelner Mann bewähren, dem der Ruf eines politischen "Wunderkindes", eines erfahrenen trouble-shooter vorauseilte: Auch des Finnen Tuomiojas Reputation steht hier auf dem Spiel.

Vergebens war bislang sein Bemühen, die Kampfhähne in Nikosia – Erzbischof Makarios III. und seinen türkischen Vizepräsidenten Kütschük – an einen Tisch zu bringen. Sie sind einander verfeindet wie eh und je; sie lassen sich nicht dazu überreden, ihren Soldaten und Freischärlern eine Waffenruhe zu befehlen. Tag für Tag werden Hirten auf ihren Feldern, Frauen in ihren Häusern erschossen.

Nutzlos waren auch die Besuche des UN-Schlichters in Ankara, Athen und London. Griechenlands Ministerpräsident Georgios Papandreou geht nicht von seinem "Enosis"-Plan ab, verlangt den Anschluß der Insel an das hellenische "Mutterland" – so, wie es auch unlängst der griechisch-zypriotische Arbeitsminister Papadopoulos emphatisch forderte: "Dieser heilige Boden ist griechisch und wird es immer bleiben."