Komödie von Jean Anouilh Tourneetheater Die Schaubühne

In München, wo dieses Wandertheater zu Hause ist, begann es. In Salzburg wird die Gastspielreise enden. In Nord und Süd spielte man hier einen Abend, dort drei Tage, in Stuttgart eine Woche lang. Überall trommelte die Reklame mit dem Starnamen Elisabeth Flickenschildt. Sie spielte die Madame Alexandra, „eine berühmte Tragödin“, Heidelinde Weis die junge Colombe. An beider Wesen und Schicksal enthüllt der Autor einem neugierigen Bürgerpublikum, was ewiges Theater ist.

Elisabeth Flickenschildt hat mit dem Tode von Gustaf Gründgens ihre künstlerische Heimat, mindestens eine zeitweilige Zufluchtsstätte, verloren. Ihr Rollenfach ist einer der wenigen Irrtümer von Gründgens gewesen. Er hat in all den Jahren ihrer Zusammenarbeit keine Maria Koppenhöfer, keine Hermine Körner aus ihr machen können. Die Flickenschildt war auch nicht die Mutter John, die sie bei Gründgens spielte, sondern die Morphinistin Sidone Knobbe, die ihr im selben Stück, den „Ratten“, vom Film typrichtiger gegeben wurde. Gestus und Habitus sind von der Gründgens-Schule zwar beeinflußt. Man spürte sie als Zusatz auch an ihrer Madame Alexandra noch. Schauspielerische Essenz der Flickenschildt ist jedoch das Aparte, das in jeder Hinsicht Abseitige. Packend wirkt sie nur in einem schmalen Bereich, vorwiegend im Triebhaft-Dumpfen. Einen einzigen „Ausbruch“ nach innen leistete sie sich zum Schluß auch als Madame Alexandra gegenüber ihrem ungeliebten, durch das Theater unglücklich gewordenen Sohne Julien. Für solche Gelegenheiten hat sich Frau Flickenschildt seit einigen Jahren eine „Einfachheit“, ein Hauchen und Flüstern angewöhnt, was gewollt wirkt. Schon ihre Dürrenmattschen Weibsmonstren (Alte Dame, Die Physiker) litten unter dieser falschen „Menschlichkeit“.

In „Colombe“ brillierte der Star Flickenschildt. Was sie für die Travestie einer Diva aufbot, war virtuos. Aber durch das genüßliche Spiel mit falschen Tönen verrutschte die Gestalt zur Karikatur, rückte das Stück, eine poetische Komödie, in Possennähe. Was kann gegen den Kassenschlager eines Tourneetheaters, gegen die Flickenschildt, ein 37jähriger Regisseur, Hans Dieter Schwarze, ausrichten? Er gab nach. Manchmal gelang Ironie. Hoch anzuerkennen bleibt, daß der Regisseur mit Hilfe der jungen Darsteller doch noch einiges für den Autor rettete. Johannes Jacobi