Das erste Jahr der Bundesliga ist vorüber. Der letzte Spieltag plätscherte nur noch mühsam dahin. Nichts von der dramatischen Wucht der früheren Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft war zu spüren. Nur noch 120 000 Zuschauer insgesamt waren gekommen. Aber die Meisterschaft war längst entschieden, sie fiel überlegen an den 1. FC Köln, der von allen deutschen Klubs das modernste Profiprofil aufweist. Die Siege werden mehr erspielt als erkämpft, und an der Spitze des Vereins steht ein Mann, der gar keinen Hehl daraus macht, daß er mehr ein perfekter Fußballmanager als ein idealistisch eingestellten Sportführer alter Prägung sein will.

Auch der Abstieg war schon entschieden. Saarbrücken und Münster traf das harte Los. Die beiden Klubs können im nächsten Jahr ihre Spieler nicht mehr nach Lizenzspieler-Bezügen, sondern nur nach den viel niedrigeren Vertragsspieler-Sätzen bezahlen. Abwanderungen der besten werden sich so kaum vermeiden lassen.

Nachdem die Bundesliga Ruhe hat, werden die Aufstiegsspiele, die zwischen den Meistern und den zweiten der Regionalligen ausgetragen werden, für Spannung sorgen. Nur zwei Vereine können aufrücken, Alemania Aachen ist der Hauptfavorit.

In den letzten europäischen Auseinandersetzungen sind die Deutschen bis auf die Kölner nur noch Zuschauer, und auch bei ihnen sieht es nach der letzten 4 : 1-Niederlage in Valencia gar nicht gut aus. Die Pokale scheinen in den romanischen Ländern zu wandern.

Um eine Entscheidung der Bundesliga ging es allerdings doch noch an diesem letzten Spieltag im Mai, um den zweiten Platz! Er wurde wieder einmal errechnet, da Punktgleichheit vorlag, errechnet nach jenem merkwürdigen Divisionsverfahren des Torverhältnisses. Wäre die Subtraktion angewandt worden, die sicher die gerechtere Methode ist, hätte es ein totes Rennen gegeben, denn Meiderich, das Zweiter wurde, und Eintracht Frankfurt wiesen beide die gleiche Tordifferenz auf.

Was das Publikumsinteresse angeht, so war die Bundesliga ein Erfolg, sechs Millionen Menschen strömten insgesamt in die Arenen, das sind 25 000 pro Spiel. Am meisten kamen in Stuttgart, insgesamt 606 000, also rund 40 000 im Durchschnitt. Braunschweig dagegen hatte mit 217 000 Fans die bescheidenste Zuschauerkulisse.

Die Kasse stimmte also, wie das so schön heißt. Die führenden Klubs hatten Bruttoeinnahmen, die sich zwischen 2 und 3 Millionen DM bewegen. Davon kassierte der Fiskus 24 Prozent für Vergnügungs- und Umsatzsteuer. Die Gewinne waren bei den besten Klubs bzw. jenen in den größten Städten enorm und betragen weit über 50 Prozent. Der Hauptgrund dafür sind nicht nur die hohen Einnahmen, sondern auch die relativ niedrigen Unkosten, da die Angestellten dieser Fußballindustrie im Entwicklungsstadium, die Akteure selbst, mit ihrem Gehaltsstopp trotz Erfolgsprämien offensichtlich erheblich unterbezahlt sind. Da das Bankgeheimnis nur ein relativer Begriff ist, sickerte durch, daß einzelne Klubs zwischen 1 bis 2 Millionen DM auf den Konten haben.