Sie sind unfähig, zwei und zwei zusammenzuzählen, aber wenn man sie fragt, in welchen Jahren der 21. April ein Sonntag sein wird, rasseln sie die Jahreszahlen nur so herunter, bis in die fernste Zukunft und rückwärts bis ins Mittelalter, und es macht ihnen nicht die geringsten Schwierigkeiten, anzugeben, welche Monate im Jahre 2002 mit einem Freitag beginnen. Die 24jährigen eineiigen Zwillinge Charles und George, die so unbegreifliche kalendarische Fähigkeiten und ein schier unbegrenztes Gedächtnis für Geschichtszahlen haben, sind nur ein Jahr zur Schule gegangen. Sie können die einfachsten Subtraktionen nicht ausführen, doch das hindert sie nicht daran, ohne langes Überlegen zu antworten, daß Washington 1732 geboren wurde, 1799 starb, 67 Jahre alt wurde und heute, wenn er noch lebte, 232 Jahre alt wäre.

Als die Zwillinge, deren Intelligenzquotient weit unter dem Durchschnitt liegt, drei Jahre alt waren, wurden bei ihnen die ersten Anzeichen von Schwachsinn festgestellt. Das „pathologische“ Interesse für Kalenderdaten erwachte bei George im Alter von sechs Jahren, bei Charles erst einige Jahre später.

Dr. William A. Horwitz, ein New Yorker Psychiater, der kürzlich über die beiden „gescheiten Idioten“ berichtete, vermutet, daß das Gehirn dieser armen Geschöpfe lediglich Informationen zu speichern vermag, nicht jedoch zu verarbeiten.

Doch diese Erklärung besagt so gut wie nichts. Fragt man Charles und George, wie es kommt, daß sie sich in dem viele Jahrhunderte umfassenden Kalender so gut auskennen, dann geben sie zur Antwort: „Ich weiß es halt!“ oder „Das habe ich eben in meinem Kopf.“

„Eine bessere Erklärung für dieses Phänomen haben wir leider auch nicht finden können“, stellt Horwitz resignierend fest, „obwohl wir die Zwillinge gemeinsam mit Forschern anderer Disziplinen, mit Psychologen, Internisten, Neurologen und Mathematikern, jahrelang untersucht haben.“ V. G.