Am Ende einer langen „Bankbilanzen-Saison“ tut es geradezu wohl, auf ein Institut zu stoßen, dessen Ausschüttungspolitik sich nicht in den gleichen ausgefahrenen Bahnen bewegt, wie dies bei der Masse der übrigen Kreditinstitute der Fall ist. Die Schleswig-Holsteinische Westbank, Hamburg-Altona, verdient gut, aber sie war in der Vergangenheit auch immer bereit, ihre Aktionäre an den Gewinnen entsprechend zu beteiligen. Und zwar sowohl durch hohe Dividenden als auch durch die bei anderen Banken so verpönten Zusatzaktien. Sicherlich wird hier anzumerken sein, daß bei der Bank angesichts ihres sehr geschlossenen Kundenkreises die Risiken übersehbar sind. Aber sie werden auch bewußt übersehbar gehalten. Von einem sonderlichen Ehrgeiz, in das ganz große Industriegeschäft einzusteigen, hat man eigentlich noch niemals etwas gehört. Der Bank könnte man das Prädikat „Klein aber fein“ geben, was insofern aber wieder nicht ganz zutrifft, da ihr Wachstum in den letzten Jahren ziemlich kräftig war.

Im Jahre 1963 stieg die Bilanzsumme um mehr als 13 Prozent auf 549 Millionen DM. Das Kreditvolumen wurde um mehr als 11 Prozent ausgeweitet. Kundeneinlagen nahmen um mehr als 14 Prozent zu. Die Spareinlagen für sich allein betrachtet wuchsen um 16 Prozent auf 212 Millionen, machen also einen beträchtlichen Teil der Bilanzsumme aus. Der Schwerpunkt des Kreditgeschäfts lag nach wie vor bei der Landwirtschaft und dem gewerblichen Mittelstand.

Im Geschäftsbericht heißt es, daß das Jahr 1963 befriedigende Erträge brachte, daß aber ihre Zunahme nicht ganz dem gestiegenen Geschäftsvolumen entspricht. Insgesamt hätten jedoch alle Personal- und Sachkostensteigerungen aufgefangen und ausreichende stille und offene Reserven gebildet werden können. Leider zählt auch die Schleswig-Holsteinische Westbank zu den wenigen Kreditinstituten, die sich scheuen, ihre Steuern in der Gewinn- und Verlustrechnung gesondert auszuweisen, so daß der Öffentlichkeit die Bewegungen dieses für die Beurteilung der Ertragskraft so wichtigen Postens verborgen bleiben. „Sonstige Aufwendungen, Steuern und ähnliche Abgaben“ werden 1963 mit 5 (4,8) Millionen ausgewiesen.

Für 1963 wird ein auf 2,249 (1,964) Millionen DM erhöhter Reingewinn gezeigt. Daneben sind die offenen Rücklagen noch um 1,15(1,0) Millionen gestärkt worden. Der sichtbare Gewinn stieg also um 0,435 Millionen. Die Ausschüttung ist mit 18 Prozent Dividende und 3 Prozent Bonus gleichgeblieben. Daneben gibt es noch eine Stockdividende von 5 Prozent, denn es sollen Zusatzaktien im Verhältnis 20:1 verteilt werden, die rückwirkend ab 1. Januar 1963 dividendenberechtigt sind. Zu diesem Zweck wird das Grundkapital von 10,2 auf 10,71 Millionen erhöht, und zwar durch Umwandlung von Rücklagen in Aktienkapital. Um das Kapital auf 10,8 Millionen abzurunden, wird der Hauptversammlung vorgeschlagen, für nom. 90 000 DM Verwertungsaktien zu schaffen.

Durch den Mißbrauch, den einige Gesellschaften mit Verwertungsaktien getrieben haben, sind diese an der Börse in Mißkredit geraten. In diesem Fall besteht jedoch wohl kaum ein Grund zum Ärgernis, wenngleich es ein Schönheitsfehler bleibt, daß von der Verwaltung ausgesuchte Interessenten, die an der Börse so begehrten Aktien der Schleswig-Holsteinischen Westbank billiger als der Normalaktionär beziehen konnten. Dem Vernehmen nach sind die Verwertungsaktien bereits vergeben. Die ausgesprochen aktionärsfreundliche Politik der Verwaltung wird über diesen Schönheitsfehler hinwegtrösten, der den offenen Rücklagen schätzungsweise einen Betrag (Verwendungsgewinn) von 0,5 Millionen DM bringen wird. Damit wäre der Aderlaß der Stockdividende in etwa wieder wettgemacht. Per 31. 12. 63 machen die Rücklagen 10,8 Millionen DM aus. Berichtigungsaktien gibt es bei der Bank übrigens zum drittenmal... K. W.