Feuilleton

Neue Schallplatten

Igor Strawinsky: „Psalmensinfonie"; Knabenund Männerstimmen des Chors der russischen Staatsakademie,

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DIE ZEIT

Der Kummerbund

Vor einem Jahr las ich im Dienstzimmer eines deutschen NATO-Offiziers in Washington den Wandspruch: "Mit dem Nordatlantikpakt verhält es sich wie mit dem Liebesleben der Elefanten.

Keine General-Amnestie

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kanka hat den Ruf nach einer Generalamnestie für Naziverbrecher erhoben. Bundesjustizminister Bucher hat dieser Forderung energisch widersprochen.

Pilgerfahrt der Ungläubigen?

Ein Strom deutscher Besucher ergießt sich in diesen Wochen nach Washington. Dem Wirtschaftsminister Schmücker folgte Schatzminister Dollinger.

Richtlinien – für wen?

Konrad Adenauer hat vom Recht des Bundeskanzlers, die Richtlinien der Politik zu bestimmen, Gebrauch gemacht, aber er sprach selten davon.

Zeitspiegel

Im unklaren über die zukünftigen Beziehungen der Union von Tanganjika, Sansibar und Pemba zur DDR ließen Außenminister Kambona und Verteidigungsminister Sigiaona bei ihrem Bonner Besuch die Bundesregierung.

Cherubim aus Finnland

Seine Landsleute nennen ihn voller Bewunderung einen "diplomatischen Zauberkünstler". Aber heute entspringt seinem Hut kein politisches Kaninchen mehr, und sein sonst so gewinnendes, jungenhaftes Lächeln ist der Resignation gewichen, sein strahlender Optimismus der Skepsis, dem Mißmut.

Maos Deutschlandpolitik

Warum kann sich ein Ei in ein Küken verwandeln, und warum kann das ein Stein nicht?" – Über dieser wunderlichen Frage brütete ein Chinese namens Mao Tse-tung im Jahre 1937, und die eine Frage zog die andere nach sich: "Warum gibt es zwischen Krieg und Frieden eine wechselseitige Verbindung, nicht aber zwischen Krieg und Stein?" Mit Hilfe der deutschen Philosophen Hegel und Marx und mit dem Beistand ihres Schülers Lenin fand der Chinese die dialektische Antwort: "Es handelt sich da um die Einheit der Gegensätze, die nur unter bestimmten Bedingungen möglich ist.

Zwischen Mauer und Plakatwand

Am Grenzübergang Lauenburg fiel mein Blick durchs rechte Wagenfenster auf einen Wachtturm, durchs linke auf einen zweiten. Der links entpuppte sich freilich bei näherem Zusehen als bloßer trigonometrischer Punkt: auch ein Holzgerüst, hoch und beherrschend, aber zu einem nützlichen, keinem scheußlichen Zweck errichtet.

Höcherls faules Kolumbus-Ei

Der Artikel 10 des Grundgesetzes, der das Post- und Fernmeldegeheimnis garantiert, läßt Beschränkungen „auf Grund eines Gesetzes“ zu.

„Alliierter“ als die Alliierten?

Jahrelang hat der Bundesinnenminister sich geweigert, ein Gesetz zur Einschränkung des Brief- und Fernmeldegeheimnisses vorzulegen – angeblich, weil die Alliierten nicht bereit seien, auf ihre Sonderrechte zu verzichten.

Bruderkuß am Nil

Nie zuvor war ein Besucher in Kairo mit solch überschäumendem Enthusiasmus begrüßt worden, wie in diesen Tagen Nikita Chruschtschow.

Kein Stiefkind mehr

Die Lateinamerikaner trauen den Angelsachsen nicht viel Gutes zu. Jedes amerikanische oder englische Hilfsangebot, sei es auch so uneigennützig gemeint wie Kennedys „Allianz für den Fortschritt“, wird deshalb zunächst einmal mißtrauisch daraufhin untersucht, ob es nicht etwa Instrument einer „imperialistischen Infiltration“ sein könnte.

Wolfgang Ebert:: Schlafende Amerikaner

Lieber Lyndon, vielen Dank für Ihren Brief vom 24., den ich leider erst heute beantworten kann, weil ich Besuch hatte – Ben Bella, netter Kerl übrigens – und Reisevorbereitungen für Ägypten treffen mußte.

Bürgermeister oder SPD-Chef?

Willy Brandt hat Berlin stets als Hauptquelle seiner politischen Kraft genutzt. In der letzten Zeit jedoch entstand der Eindruck, als ob diese Quelle nicht mehr so reichlich fließe.

Im selbstgezimmerten Käfig

Die Gegner eines Zeitungsaustausches mit der DDR berufen sich auf eine Reihe von Staatsschutzgesetzen – und auf das Grundgesetz, das wie jede normale Verfassung auch Artikel enthält, die dem Staatsschutz dienen.

War Chruschtschow Trotzkist?

Nach all der ideologischen Feinspinnerei im Konflikt mit Moskau sind die Chinesen jetzt mit einem handfesten Vorwurf herausgerückt: Chruschtschow habe ich in den zwanziger Jahren die trotzkistische Opposition unterstützt und deshalb Selbstkritik üben müssen.

Wiedergutmachung

Die Experten der Bundesregierung haben ausgerechnet, daß für die Wiedergutmachung insgesamt rund 40 Milliarden ausgegeben wurden.

Kein Kampf auf Leben und Tod

In der Bewertung des Konflikts zwischen Moskau und Peking haben sich drei Schulen gebildet. Die einen sind überzeugt, daß der Streit nur ein Oberflächengeplänkel ist, das den inneren Zusammenhalt des Ostblocks nicht berührt und die gemeinsamen weltrevolutionären Pläne nicht verändert.

Nicht frei vom Werturteil

Die Auffassung, Politik sei ein Teil der Philosophie, war früheren Jahrhunderten bis in den Positivismus hinein selbstverständlich.

Glaube in Rußland

Im Westen ist man leicht geneigt, auch das geistige Rußland mit dem Kommunismus gleichzusetzen. Wie sehr man der russischen Wirklichkeit damit Unrecht tut, zeigt Walter Kolarz, der das „andere Rußland“ schildert, das Rußland der Gläubigen.

Entspannung auf Zypern?

Erzbischof Makarios ‚ Staatspräsident von Zypern, schaltete auf Entspannung um. Bei einem Besuch im Westen der Insel (siehe Bild) kehrte er in einem türkischen Kaffeehaus ein.

Tschombes Geisterarmee

Als die Blauhelme der UN im Januar 1963 die Sezession Katangas mit Waffengewalt beendeten, verschwanden die Gendarmen und die weißen Söldner Tschombes im Busch.

NATO soll Vietnam helfen

Werden eines Tages Soldaten der Bundeswehr als „Militärberater“ in Südvietnam eingesetzt? Die Bundesregierung will den USA helfet, den „kleinen schmutzigen Krieg“ gegen die Vietcong zu gewinnen, zunächst nur technisch und wirtschaftlich.

Namen der Woche

Apostolos Grozos, Vorsitzender der griechischen KP, schrieb aus Prag einen Brief an Ministerpräsident Papandreou mit folgenden Forderungen: Aufhebung des Parteiverbots, Rückkehrerlaubnis für 100 000 Emigranten der Bürgerkriegsjahre 1947/49 und Generalamnestie.

WASHINGTON

Präsident Kennedys „Allianz für den Fortschritt“, das kühne Zehn-Jahres-Programm für friedliche demokratisch-soziale Reformen in Lateinamerika, wurde vorige Woche beerdigt.

ADEN

Die „Roten Teufel“, britische Fallschirmjäger, lieferten den „Roten Wölfen“, einem Räuberstamm in der südarabischen Wüste, in mörderischer Hitze mörderische Gefechte.

Von ZEIT zu ZEIT

In Krisenstimmung begann im Haag die Frühjahrstagung der NATO, mit Außen-, ohne Verteidigungsminister. Pentagon-Boß Robert S.

Keine Schreibschule, keine Geniefabrik

Der vergangene Berliner Winter war ein Winter der Mieteinnehmer und Schriftsteller. Der Kulturkreis im Bundesverband der Industrie und die Fordstiftung hatten, soweit die dritte Strophe des Deutschlandliedes reicht, aus der langsam verödenden westdeutschen Kulturlandschaft die letzten Talente ausgelesen und, wohlbedacht mit großzügigen Stipendien und Tagesgeldern, in Marsch gesetzt.

Die Zerstörung einer Legende

Die alljährlichen Versammlungen des „Verbandes der deutschen Filmclubs“ müssen früher einmal, in den Jahren nach dem Kriege, als der Nachholbedarf auch in Sachen Film groß war, für die Bundesrepublik eine kleine Sensation gewesen seit.

Monotonistische Musik

Sprecher: Verehrte Hörer! Seit langem bemühen wir uns, Sie mit avantgardistischen Werten zeitgenössischer Komponisten bekanntzumachen.

Musica viva

In München gibt es seit dem Tode des Komponisten Karl Amadeus Hartmann, der die Musica-viva-Konzerte ins Leben gerufen und sie zu einer festen Institution im Musikleben der bayerischen Landeshauptstadt zu machen verstanden hatte, ein von Monat zu Monat erregteres Rätselraten um die Weiterführung dieser Veranstaltungen.

Kleiner Kunstkalender

Die Ausstellung ist ebenso exzeptionell wie ihr Anlaß. Es handelt sich um die fünfzig Kandinsky-Gemälde, die von ihrem Eigentümer, der Solomon R.

Zeitmosaik

Generelle Kenntnis ist entfernte Kenntnis, das Wissen besteht aus Einzelheiten, ebenso wie das Glück. Nur wer auf das genaueste in die Manieren, die Absichten und die Charaktere in allen ihren Verzweigungen eindringt und sie zu unterscheiden weiß, ist der einzig weise und vernünftige Mensch, und auf diese Unterscheidung ist alle Kunst gegründet.

Klaus Kammer

Eine der steilsten Schauspieler-Laufbahnen unserer Tage ist in der Mitte des Lebens beendet worden. Vor Jahresfrist war Klaus Kammer offiziell arriviert, als ihm der Preis „Junge Generation“ von der Stadt Berlin zugesprochen wurde.

Was geschieht, trifft schmerzhaft

Wenn ich an meine aufeinanderfolgenden Lehrer denke, beschäftigen mich die seltsamen Dissonanzen, die sie in mein junges Leben brachten, weniger als die fundamentale Stabilität und Unversehrtheit dieses Lebens.

Fernsehen: Friedlicher Dilettantismus

Die Männer der Münchener Lach- und Schieß-Gesellschaft, so scheint es, müssen sich ihre Pointen in bitterer Schreibtischarbeit ersinnen; Improvisation ist ihre Sache nicht, mit der Dialektik stehen sie, die an Monologe und launige Arabesken Gewöhnten, auf feindlichem Fuß.

Unser Kritiker sah:: COLOMBE

In München, wo dieses Wandertheater zu Hause ist, begann es. In Salzburg wird die Gastspielreise enden. In Nord und Süd spielte man hier einen Abend, dort drei Tage, in Stuttgart eine Woche lang.

Hüben und drüben: Theorie der Dummheit

In den Bitterfelder Reden Ulbrichts und des Kulturministers der DDR, Bentzien, sowie in vielen anderen in den letzten Wochen jenseits der Elbe gedruckten Referaten und Artikeln wurden oft Äußerungen oppositioneller Künstler kurz zitiert und ausführlich abgewiesen.

Nun sag, wie hast du’s mit der Wahrheit?

Dieser neue Sammelband war nicht überflüssig. Allerdings wird sich wohl enttäuscht sehen, wer die hier gebotenen Bekenntnisse und Reflexionen einer Anzahl namhafter deutscher Autoren als schriftstellerische Leistungen betrachten und werten möchte.

Zu empfehlen

‚Geflügelte Worte“ – Der Zitatenschatz des deutschen Volkes, gesammelt und erläutert von Georg Büchmann, fortgesetzt von Walter Robert-tornow, Konrad Weidling, Eduard Ippel, Bogdan Krieger, Gunther Haupt und Werner Rust, 31.

Auf der Suche nach der verlorenen Stadt

Unsere Stadt, die Stadt, in der wir wohnten, arbeiteten, spazierengingen, die wir liebten, existiert nicht mehr. Sie wurde so lange entkernt, durchgrünt, entballt, verdünnt, saniert, ausgelichtet, bis sie nicht mehr da war.

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