Igor Strawinsky: "Psalmensinfonie"; Knabenund Männerstimmen des Chors der russischen Staatsakademie, Orchester der russischen Staatsphilharmonie, Leitung Igor Markevitch Modest Mussorgskij: "Sechs Lieder"; Galina Vishnevskaya, Orchester der russischen Staatsphilharmonie, Leitung Igor Markevitch (Philips 835482 [Stereo] oder A 00559 [Mono]) Strawinskys Psalmensinfonie, 1930 komponiert, 1948 revidiert, trägt die altertümlich wirkende Widmung "a laGloire de Dien et dediee au Boston Symphony Orchestra" und läßt Elemente des gregorianischen Chorais (1 sowie 3. Satz) und der Polyphonie (2. Satz) mit den neueren Mitteln des chromatischen Espressivo verschmelzen. Igor Markevitch, der Dirigent, besitzt die Gabe, die auf langer Strecke wachsenden Crescendi mit ihrer ostinaten Rhythmik und additiven Instrumentierung planvoll aufzubauen. Es durchdringen sich harte, rhythmisch stark akzentuierte Orchesterstellen und wunderbar schwebender Chorklang und behalten doch ihre Gegensätzlichkeit, wie ich dies so schön nie gehört habe. Bestechend die Klangfarbe der Männer- und Knabenstimmen des russischen Staatsakademie Ch&rs: einmal das berühmte Timbre des russischen Basses, zum anderen Knabenstimmen, die völlig ohne Vibrato singen. Die Darstellung des Werkes fällt nie ins Extrem und ist doch intensiv — eine Eigenschaft, die besonders in der Stereo Fassung voll zur Wirkung kommt.

Galina Vishnevskaya, seit einigen Jahren der Star unter den Sopranen der Edinburgher Festspiele, singt (auf der anderen Seite der Schallplatte) sechs Orchesterlieder von Modest Mussorgskij. Und ich denke, daß Mussorsgkij selber sich keine bessere Interpretin gewünscht haben könnte. Welch ein Reichtum an humorvollem, sentimentalem, beschwörendem, erhabenem, karikierendem Ausdruck in diesen Kompositionen und in dieser Interpretation! Dabei genießen wir die für uns fremdartige Klangfarbe der technisch meisterhaft geführten Stimme.

"Play Bach", No l—4; Jacques Loussier, Christian Garros, Pierre Michelot (Teldec SIK 16 281 P) Es handelt sich hier um eine Kombination von alt und neu, die mir auf den beiden ersten Platten der Reihe viel Freude macht Bach Bearbeitungen für Klavier, Schlagzeug und Baß von Jacques Loussier. Und diese seien emofohlen, weil cier Charakter der Bachschen Präludien, Fugen, Tanzsätze und Choralbearbeitungen durch den