Schrieb da ein Leser der ZEIT aus Spanien, wir seien doch wohl zu weit gegangen, als wir uns neulich lustig gemacht hätten über Franco und die vielen Anwärter auf den dortigen Königsthron. Die Spanier hätten keinerlei Verständnis für solche Art von Humor.

Nun, wenn dem wirklich so ist, dann sei das spanische Volk um Entschuldigung gebeten! Wir hatten erfahren, daß man in Spanien den schwarzen Humor liebe, denjenigen, der aus geheimnisvollen Düsternissen erwächst, aus dem Erschaudern vor Gespenstern und anderen Absurditäten. Und wir hatten tatsächlich den Stoff, aus dem den vielen spanischen Zukunfts – Majestäten die Königsmäntel geschneidert werden, für schwarz gehalten. Kleine Farbenblindheit! Wo wir doch schon aus den Märchen hätten wissen sollen, daß er purpurn ist.

Haben die Wiener aber Verständnis für purpurnen Humor? Bei ihnen lebt ein Prinz, der Franz-Joseph heißt. Auch er ist ein Prätendent auf Spaniens Thron, ein bisher unerwähnter, aber sehr aktiver. Gibt er doch seit Jahren ein Blättchen in spanischer Sprache heraus, dessen Titel alles sagt: „Ich komme wieder!“

Es ist ein englischer Autor namens Peter Townend, der diese und ähnliche Scherze in einem Buch „Who’s who der Thronanwärter“ preisgibt. Noch sind die Druckbogen feucht und nicht geheftet, doch schon sind mehrere Tausend Exemplare im voraus verkauft. Ja, in England, da hat man Verständnis für den Purpur-Humor!

Unter den Anwärtern auf Frankreichs Königsthron ist der Graf von Paris an erster Stelle erwähnt. Sproß der Linie Bourbon-Orleans und direkter Nachkomme von Louis-Philippe. „Er lebt, ein Milliardär, auf seinen diversen Besitzungen in Frankreich, Portugal und Marokko und befindet sich“, wie Townend hinzufügt, „in guter Position, weil de Gaulle ihn unterstützt. Seine Anhänger nennen ihn schon lange Henri VI....“

Als sein gefährlichster Rivale wird ein an Vornamen reicher Prinz genannt, der auch schon im spanischen Königs-Rennen nicht schlecht liegt: Don Jaime, Luipold, Isabellino, Alfons, Victor, Acacio, Peter, Paul. Er ist durch Blut und Abstammung der Chef aller Bourbonen, so wie der dritte Bewerber um Frankreichs nicht vorhandenen Thron das Oberhaupt aller Napoleoniden ist: Nachkomme eines kleinen Bruders des großen Bonaparte, ebenfalls sehr reich, weil er, wie Townend sagt, mütterlicherseits vom belgischen König Leopold II. abstammt und Kapital aus dessen privatem Kongo-Unternehmen geerbt hat.

Wir armen Deutschen aber sind wieder einmal übel dran. Keinerlei Auswahl! Wir verfügen nur über einen einzigen Prätendenten: den Prinzen Louis – Ferdinand, den Enkel des Kaisers Wilhelm, von dem Peter Townend obendrein berichtet, daß er sehr demokratische Ideen hege, weil er in den Fabriken von Ford in Detroit (USA) gearbeitet habe.

Hoch schlagen hingegen die Wogen des purpurnen Humors in Monaco, wo etwas wie Monarchie ja wirklich noch existiert. Dort macht ein gewisser Georges Grimaldi dem gegenwärtigen Fürsten Rainer die Regentenwürde streitig: ein Tankstellen-Besitzer...