Konrad Adenauer hat vom Recht des Bundeskanzlers, die Richtlinien der Politik zu bestimmen, Gebrauch gemacht, aber er sprach selten davon. Sein Nachfolger Ludwig Erhard hat des öfteren nachdrücklich daran erinnert, daß ihm dieses Recht zustehe. So auch jetzt wieder im Blick auf das Gespräch, das er mit dem CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß am Tegernsee führen wird. Erhard ließ durch Regierungssprecher v. Hase außerdem mitteilen, es bestehe kein Anlaß, den außenpolitischen Kurs zu korririgieren; er sei lediglich bereit, Vorschläge anzuhören.

Bei der CSU freilich sieht man die Dinge etwas anders. „Erhard wird nicht umhin können“, schrieb der „Bayernkurier“, „die außenpolitischen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Unionsparteien noch im Verlauf des Monats Mai zu bereinigen.“ Einen Hinweis, was unter solcher „Bereinigung“ zu verstehen ist, gab die „Neue Bildpost“, die zwar nicht in Bayern erscheint, aber nichtsdestoweniger dem CSU-Vorsitzenden eifrig Schützenhilfe leistet. Strauß habe, meint das Blatt, im Vergleich zu Schröder „das bei weitem bestechendere ostpolitische Konzept in der Hand. Von seiner besseren Haltung in Frankreich ganz zu schweigen ... Er präsentierte ... eine Außenpolitik, von der viele Leute in Bonn, aber nicht nur dort, glauben, daß sie der Bundesrepublik besser zu Gesicht stünde als das blasse Schröder-Make-up.“

Was also gibt es hier zu bereinigen? Zu dem außenpolitischen Konzept von Strauß kann man nur ja oder nein sagen; aber keinesfalls läßt es sich mit der Politik Schröders harmonisieren – einer Politik, die Erhard ausdrücklich gebilligt hat. Der Kanzler tut also gut daran, an seine Richtlinien-Kompetenz zu erinnern. Allerdings sollte eine solche Kompetenz nicht dazu benutzt werden, ein zweites Mal sowohl Strauß als auch Schröder das Vertrauen auszusprechen. R. Z.