Woher nehmen und nicht stehlen, fragten wir in einer Betrachtung über den hohen Geldbedarf der Deutschen Großchemie vor zwei Monaten. Inzwischen haben die Geschäftsberichte der IG-Farben-Nachfolger eine Antwort gegeben. Die Aktionäre müssen in diesem Jahr so tief in die Tasche greifen wie nie zuvor. Die Zusammenballung der Kapitalwünsche lösten auch eine Reaktion an der Börse aus. Die Chemie-Kurse gaben nach.

Die Badische Anilin- & Soda-Fabrik, die mit der Wandelanleihe über 240 Millionen Mark wohl den kräftigsten Schluck aus der (Kapitalmarkt-)Pulle nahm, hat mit diesem Geld ihren Appetit noch nicht befriedigt. Sie hat jetzt angekündigt, daß noch in diesem Monat eine Anleihe über 60 Millionen Franken in der Schweiz aufgenommen werden soll.

Die Deutsche Bundesbank sieht diesen Schritt der BASF nicht gern, auch wenn die Unternehmensleitung das Friedensangebot macht, im Hinblick auf die deutsche Devisenbilanz den Erlös der Anleihe für Investitionen im Ausland zu verwenden. Der Bundesbank wäre es lieber gewesen, wenn die Anleihe in Deutschland aufgelegt und der Erlös dennoch im Ausland angelegt würde. Damit hätte sich nicht nur ein zeitlich begrenzter, sondern ein echter Kapitalexport vollzogen. In diesem Sinne hat die Bundesbank auch bei der Schweizer Nationalbank interveniert, wie man sieht, jedoch erfolglos.

Wenn man sich die Bedingungen ansieht, zu denen die BASF die Mittel in der Schweiz erhält, wird man nicht umhin können, zuzugestehen, daß mit dieser Lösung ein gegenüber den Aktionären gerade noch vertretbarer Kompromiß eingegangen wurde. Die Anleihe hat bei einer Laufzeit von 18 Jahren einen Zinssatz von 4,5 Prozent und einen Ausgabekurs von 99,5 Prozent. Zum Vergleich die Bedingungen der kommenden Bundesanleihe: 6 Prozent Zins und 99 Prozent Ausgabekurs.

Diese Unterschiede sind allein ein Grund, daß ein Unternehmen, das einen internationalen Namen hat, die Vorteile einer Mittelaufnahme im Ausland wahrnimmt. Die gegenwärtige Situation auf dem deutschen Kapitalmarkt hat aber noch eine Besonderheit. Die Bundesanleihe, die am kommenden Dienstag auf den Markt kommt, gilt noch keineswegs als untergebracht. Die Konsortialbanken haben offensichtlich bewußt die Bedingungen für diese Anleihe relativ knapp bemessen, wenn man den Abgabedruck am Rentenmarkt aus dem Ausland berücksichtigt.

Der Markt soll also getestet werden. Auf den Ausgang dieses Experimentes konnte die BASF sicherlich nicht mehr warten, zumal sein Ergebnis noch gar nicht feststeht. Sollte der Markt die Bedingungen der Bundesanleihe nicht annehmen, würde die Aufnahme einer Anleihe im Ausland sicher nicht leichter werden. Die Investitionen aber drängen.

In dieser BASF-Anleihe spiegelt sich das ganze Dilemma der deutschen Devisensituation wider. Niemand von den führenden Wirtschaftskräften in der Bundesrepublik, der nicht die berechtigten Wünsche der Bundesbank nach einem Kapitalexport unterstützt. Niemand, der nicht gern dem immer stärker werdenden Eindringen amerikanischer Firmen in den Gemeinsamen Markt eine Verstärkung der deutschen (und europäischen) Interessen außerhalb des Gemeinsamen Marktes entgegensetzen würde.