Ein Schreckgespenst lastet über der Zukunft des Kongo: die Geisterarmee Moise Tschombes, des emigrierten Regierungschefs in der Kupferprovinz Katanga.

Als die Blauhelme der UN im Januar 1963 die Sezession Katangas mit Waffengewalt beendeten, verschwanden die Gendarmen und die weißen Söldner Tschombes im Busch. Ihre Stärke wird auf drei- bis siebentausend Mann geschätzt, also nicht zu unterschätzende Gegner für die unzuverlässige 25 000-Mann-Armee des kongolesischen Oberbefehlshabers, General Mobutu, die nach dem Abzug der UN-Armee am 30. Juni allein für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Kongo verantwortlich ist

Viele Soldaten der einstigen Katanga-Armee müssen freilich ihr Leben als Straßenräuber und Banditen fristen. Ausgehungerte Söldner in zerlumpten Uniformen tauchten öfters an der Grenze nach Nordrhodesien auf, wurden aber jedesmal abgewiesen. Mindestens zweitausend Gendarmen und Söldner fanden im benachbarten Portugiesisch-Angola Zuflucht. Angeblich wurden sie beim Grenzübertritt entwaffnet, doch hat man in Leopoldville Zweifel.

Britischen Journalisten wurde der Zutritt ins Grenzgebiet verwehrt. Begründung von höchster Stelle in Lissabon: „Solange nicht Portugiesen das militärische Ausbildungslager in Kinkuzu im Kongo besuchen dürfen, werden wir keinem Ausländer den Zutritt erlauben.“ In Kinkuzu läßt die angolesische Exilregierung Holden Robertos, die sich in Leopoldville niedergelassen hat, Partisanen für den Krieg gegen die Portugiesen ausrüsten. Einheiten der Rebellenarmee unternehmen vom Kongo aus Operationen in Nordangola. Portugal dienen die Söldner Tschombes als Druckmittel gegen die Kongoregierung.

Oberstleutnant Silva e Sousa, portugiesischer Geheimdienstoffizier für Katanga – Angelegenheiten, meint: „Die Kongolesen werden es sich zweimal überlegen, ehe sie die Rebellen in ihrem Kampf gegen uns mehr als bisher unterstützen.“ Für ihn ist es gar keine Frage, daß Tschombes Armee von Angola aus in den Kongo zurückmarschieren darf.