Die Scheu der Deutschen vor der modernen-Welt mit ihren technischen Errungenschaften, von der unlängst Werner Heisenberg gesprochen hat, scheint gar nicht ausschließlich unser eigenes nationales Übel zu sein. Diejenigen Gefilde, auf denen man den mannigfachen Erscheinungsformen „der Technik“ begegnet, werden offenbar von den Menschen unseres Kontinents allgemein gemieden, namentlich von jungen Leuten. Bei einem Malwettbewerb unter Schülern fiel kürzlich auf, welch kleinen Platz die Technik in der Welt dieser Großstadtkinder einnimmt. Wer durch die Ausstellung „Europa Foto 64“ geht, wird die gleiche Entdeckung machen: Objekte der Amateur-Photographen aus 23 europäischen Ländern diesseits und jenseits der Elbe sind Menschen und – ein bißchen überraschend – Landschaften. Die Liebhaber hinter der Kamera sind Poeten mit einem mächtigen Sentiment: Selbst bei den Sowjets wird die Technik zu einem lyrischen Ereignis. Man photographiert vorzugsweise nach graphischer Manier. Denn fast allen kommt es so sehr auf Kontraste an, daß sie die grauen Töne zwischen Schwarz und Weiß zu meiden versuchen, allerdings ohne sich dabei so äußerlicher und nicht mehr ganz origineller Mittel wie dem der Solarisation zu bedienen.

Die Idee zu dieser Versammlung europäischer Amateur-Photographen stammt von der „Lichtbildnervereinigung Eßlingen“. Prämiiert werden nicht die Urheber, sondern die Vereinigungen, die zum Wettbewerb eingeladen sind. 1960 war die erste Ausstellung zustandegekommen; zur Zeit ist in Hamburg (danach in Ludwigshafen und Köln) die zweite zu sehen. Die besten neunzig Bilder werden anschließend in zwölf anderen europäischen Ländern gezeigt. Einige davon veröffentlichen wir hier. m. s.