Vor fünfzehn Jahren tötete sich Klaus Mann

Von Michael Buselmeier

Über Klaus Mann wußte ich bis vor kurzem kaum etwas. Weder in der Schule noch auf der Universität erinnere ich mich, jemals seinen Namen gehört zu haben. Offensichtlich legt hierzulande niemand Wert darauf, dem interessierten Publikum eine – sei es auch nur fragmentarische – Kenntnis der Exilliteratur zu vermitteln. Jenes eitel-ästhetisierende, fast ausschließlich formale, unverbindliche und wertungsfreie "werkimmanente Interpretieren" der Germanistik – steht es nicht in engstem Zusammenhang mit den kollektiven Verdrängungstendenzen unserer jüngsten Vergangenheit, denen auch die Exil-Literaten zum Opfer fielen?

Hier mag ein Grund dafür liegen, daß Klaus Mann heute vergessen ist. Weitere lassen sich hinzufügen: der Weltruhm Thomas Manns, der das Werk seines Sohnes beinahe völlig erdrückt hat; das übertriebene Interesse am Extravaganten, die allzu schnellfertige Leichtigkeit, die oft mangelnde literarische Qualität zahlreicher Arbeiten Klaus Manns.

Dennoch hat er, dieser liberale Intellektuelle zwischen zwei Weltkriegen, einer geistig aufgeschlossenen Jugend von heute Wichtiges zu sagen und verdient es, daß sich die Nachwelt seiner Werke und Tage annimmt. Wer war er?

Ein glückliches Kind und ein fauler Schüler, ein frühreifer, unersättlicher Leser. Der Schatten des Vaters lastete auf ihm; nur langsam erkämpfte er sich seinen eigenen Platz. Ein Deutscher, ein Europäer, ein Weltbürger.

Die Unruhe einer ganzen Generation war ihm mitgegeben. Indem er sich nie festlegte, erfüllte er das eigene Gesetz. Zum Moralisten machte ihn erst die Zeit; er war ein Schriftsteller, dessen Interessen in der ästhetisch-erotischen Sphäre lagen und dem allein durch die Verhältnisse eine politisch-kämpferische Position angewiesen wurde. Ein problematischer Individualist, klug und elegant, immer diskret; alles Radikale war ihm im Grunde fremd. Ein Melancholiker und ein Abenteurer war er, kein Provokateur.