Volkmar Hopf hat die höhere Beamtenschaft, in Bonn gründlich verärgert. Der Staatssekretär weigert sich, eine steuerfreie Vergütung anzunehmen, die ihm dafür zusteht, daß er dem Aufsichtsrat der Vereinigten Industrieverwaltungsgesellschaft MbH. (IVG) vorsitzt.

Die Industrieverwaltungsgesellschaft verwaltet als Holding-Gesellschaft (mit fünf Tochterunternehmen) vor allem Beteiligungen und Liegenschaften des Staates. Der Bund, vertreten durch das Schatzministerium, hält das Stammkapital von 50 Millionen Mark zu 100 Prozent. Das Interesse des Verteidigungsministeriums an direktem Einfluß auf die IVG ist begreiflich: Verwaltung, Transaktionen und Käufe betreffen vorwiegend Anlagen, die für Rüstung und Verteidigung wichtig sind – unterirdische Munitions- und Treibstofflager, zum Beispiel im Taunus, im Hunsrück und im Weserbergland, Transporteinrichtungen, Gebäude und Gelände.

Daß Bundesbeamte als Aufsichtsräte delegiert werden, ist nicht ungewöhnlich, sie sollen über die Anteile des Staates an Firmen zahlloser Branchen wachen. Der Bund ist immerhin an 235 Unternehmen mit mehr als 25 Prozent unmittelbar oder mittelbar beteiligt, neun davon sind zu 100 Prozent staatliches Eigentum. Die 235 Gesellschaften bieten viele hundert Posten für Aufsichtsräte, Beirats- und Verwaltungsratsmitglieder, die bei Beamten jeden Grades geschätzt und begehrt sind: sie bringen Dienstreisen, Besichtigungen, Sitzungen mit Bewirtung, Tage- und Übernachtungspauschalen, Sitzungsgelder und feste Vergütungen.

Etwa 400 Vertreter der öffentlichen Hand haben das Gros der Plätze unter sich aufgeteilt. Darunter sind 50 aktive Bundesbeamte vom Regierungsdirektor bis zum Staatssekretär, die einen Sitz oder mehrere Mandate in Industrie-Aufsichtsräten übernommen haben. Die übrigen Posten sind mit Landesministern und Senatoren, mit Landesbeamten aller höheren Stufen, mit Landräten, Oberbürgermeistern und Oberkreisdirektoren, mit Präsidenten und pensionierten Beamten aus Bund und Ländern, zu einem kleinen Rest dann mit Gewerkschaftlern, Generaldirektoren, Bankiers und Rechtsanwälten besetzt. Alle nehmen gern die Vorteile der Nebentätigkeit wahr.

Hopf nannte Gründe für die Ablehnung, die andere Beamte geradezu schockieren mußten. Der Staatssekretär gilt in Bonn als Repräsentant preusisch-strengen Verwaltungsdenkens. Bis zum Amtsantritt als Staatssekretär bei Strauß hatte Hopf, der als versierter Haushaltsexperte gilt, auf jede Nebentätigkeit verzichtet, „weil ich die Verquickung der eigentlichen Diensttätigkeit mit Aufsichtsratstätigkeiten nicht für zweckmäßig hielt“. Nach Hopfs Meinung – niedergelegt in einem Brief an den für Beamtenfragen zuständidigen Bundesinnenminister Höcherl – könnten sich Situationen ergeben, in denen sich die Pflichten als Beamter und als Mitglied eines Aufsichtsrates auch in einer hundertprozentigen Bundesgesellschaft widersprechen“. Außerdem erklärte Hopf, Vater von vier Kindern, schlicht, sein Gehalt (rund 5000 DM) genüge den Ansprüchen seiner Familie.

Den Staatssekretären der anderen Ressorts mußten Hopfs Darlegungen unangenehm sein, denn sie sind mit der Übernahme von Mandaten und der Annahme von Vergütungen keineswegs zimperlich. Kanzler-Sekretär Westrich zum Beispiel ist fünffacher Aufsichtsrat, bei Schatz-Staatssekretär Kattenstroth sind es sechs Mandate, bei Finanz-Staatssekretär Grund ebenfalls, Wirtschafts-Staatssekretär Neef hat drei und Verkehrs-Staatssekretär Seiermann zwei Sitze.

In Bonn wird daher gerätselt, weshalb wohl aus dem seit langer Zeit schwelenden Disput zwischen Hopf und dem Bundesrechnungshof nach und nach buchstäblich eine Staatsaktion wurde. Niemand möchte den Verdacht äußern, daß wahrscheinlich ein anderer Staatssekretär den Fall in Bewegung gebracht hat, und niemand möchte gar öffentlich Namen nennen, die in Bonn hinter vorgehaltener Hand kursieren.

Peter Stähle