Von Paul G. Kirsch

Wer dem Gesetz der Serie Glauben schenkt, wird mit dem Gedanken spekuliert haben, daß nach dem Fall Müller-Wipperfürth und der Verhaftung des Henschel-Chefs Goergen der Dinge drei würden – der schlechten Dinge leider. Der verlängerte. Arm des Fiskus griff in der vergangenen Woche nach Hannsheinz Porst, dem persönlich haftenden Gesellschafter des „größten Photohauses der Welt“, wie es sich wohl zu Recht nennt. Just, als er in Nürnberg sein eigenes Flugzeug besteigen wollte, um – wer weiß wohin – zu fliegen, wurde er auf Grund eines amtsrichterlichen Haftbefehls festgenommen, als der Steuerhinterziehung verdächtig.

Man braucht sich nur der Vorgänge nach der Verhaftung der IndustriekapitäneMüller und Goergen zu erinnern, um für Porst eines vorweg festzustellen: Ob schuldig oder nicht, des Staatsanwaltes Mühlen mahlen langsam. Ehe nämlich Korrespondenz- und Buchführungsakten gewälzt, von fachkundiger Seite begutachtet und gegebenenfalls zu einer Anklageschrift aufgezäumt werden können, vergehen Wochen, unter Umständen Monate. Abgesehen davon, daß in dieser Zeitspanne der Sensationsmache Tür und Tor geöffnet sind, die in der Welt Ansehen und Bonität der im Rampenlicht des „Wirtschaftswunders“ stehenden deutschen Wirtschaft enormen Schaden zufügen, geraten mit den Thronen ihrer Beherrscher auch deren Unternehmen ins Wanken.

Am Anfang 600 Goldmark

Wer ist dieser Hannsheinz Porst? Sohn des Gründers Hanns Porst, der vom Zeitungsjungen zum Großunternehmer aufstieg. Er entstammte bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen, wurde Stadtschreiber beim Nürnberger Magistrat, gab diese sichere Position auf, um mit seinen Ersparnissen von 600 Goldmark einen Photoladen am Läufer Platz betreiben zu können. Nürnberg, des Reiches Schatzkästlein, zog alljährlich Tausende von Besuchern an. Der eine oder andere kam – anfangs rein zufällig – in das schmucke Porstsche Geschäft. Hier wurden die Kunden sorgfältig beraten. Bei der auswärtigen Kundschaft setzten sich die persönlichen Gespräche in einer umfangreichen Korrespondenz fort, die viele Ratschläge und Tips wußte – die Anfänge des Versandhandels. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war der Jahresumsatz auf acht Millionen Reichsmark gestiegen, 1960 waren es achtzig Millionen.

Des Vaters dynamisch-unternehmerisches Naturell vererbte sich auf den Sohn, der nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft den Wiederaufbau des Hauses „Photo-Porst“ mit vorantrieb, sich nie mit dem begnügte, was erreicht war, neue Ziele ansteuerte und die Geschäftsleitung mehr und mehr in die Hand nahm. Neben dem Versandhaus wurde die Großdruckerei Maul & Co.“‚ Nürnberg, mit tausend Beschäftigten erworben, der „Radio- und Televisionsverlag“ gegründet, die „Porst Wohnungsbau oHG“ mit 430 Wohnungen ins Leben gerufen, dazu die „Gut und billig Handelsgesellschaft mbH“, schließlich der „Porst-Wert-Dienst“, ein Versandhaus für langlebige Wirtschaftsgüter. – Und damit war Porst einen Schritt zu weit gegangen.

Wenngleich es der Porst-Wert-Dienst auf einen Jahresumsatz von 25 Millionen gebracht hatte, reichte diese Größenordnung nicht aus, um als allgemeiner Versandhandel Anschluß an den Markt zu finden. Das hätte einen Kapitaleinsatz erfordert, der die Finanzkraft von Porst weit überstieg. So wurde das Unternehmen wieder aufgegeben.