W. R.: „Cassella In der Kapitalklemme“, DIE ZEIT, Nr. 17

Sie haben recht, wenn Sie schreiben, daß Cassella früher ein „Edelstein der IG-Farben“ war; heute ist der Glanz etwas verblaßt, aber zweifellos nur infolge der Überwachung durch die drei gleich starken Nachfolge-Gesellschaften.

Wenn bei Cassella nicht bald ein Wandel eintritt, geht es diesem ehemaligen „Edelstein“ eines Tages wie einer zu streng von den Eltern behüteten Tochter, die plötzlich feststellen muß, daß ihre Reize verblassen und sie keinen Mann mehr findet. Wenn Cassella nicht so am Gängelband geführt würde, hätte sie längst dieselbe Entwicklung genommen wie andere mittlere und kleinere Chemiefirmen.

Zweifellos kann der Aktionär von Cassella vorläufig noch ruhig schlafen. Es ist ihm eine zwar nicht übermäßig hohe, jedoch ziemlich stabile Rendite gesichert. Aber wenn er nicht die von Ihnen dargestellte Gefahr erkennt und sich entsprechend durchzusetzen versucht, könnte er doch eines Tages vor der unangenehmen Tatsache stehen, daß die Mehrheitsaktionäre plötzlich einig sind und das Erfordernis irgendeiner Neukonstruktion behaupten, die für den Minderaktionär ungünstig ist.

Dr. Karl Kettenbach, Wiesbaden