Was den Freien Demokraten recht ist, muß den Unionsparteien billig sein. Wer den Antrag der FDP-Agrarier, die landwirtschaftliche Veredlungsproduktion auf sogenannte bäuerliche Familienbetriebe zu beschränken, als nicht ganz ernst zu nehmen ansah, wurde durch einen dem Sinne nach fast gleichlautenden Antrag eifernder grüner Christdemokraten eines besseren – oder soll man lieber sagen: eines schlechteren? – belehrt.

Schon seit langem gilt es bei den der heimischen Scholle verbundenen Politikern des Bundestages als suspekt, wenn jemand in großem Umfang Schweine und Geflügel mästet oder fleißige Hennen Eier legen läßt, ohne von Haus aus Bauer zu sein. Man spricht sogar von „gewerblicher“ und „bäuerlicher“ Veredlungsproduktion, wobei die so apostrophierten gewerblichen Betriebe dieselben Erzeugnisse produzieren wie ihre „bäuerlichen“ Konkurrenten.

Die hohen inländischen Futtergetreidepreise ließen es aber bisher sowohl städtischen Schweinemästern als auch kleineren landwirtschaftlichen Betrieben nicht gerade attraktiv erscheinen, mit Futtermitteln zu produzieren, die nicht dem eigenen Acker entstammten.

Lieber teurer, aber dafür von Bauern, könnte man dazu sagen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg; denn das könnte nur über eine steuerliche Diskrimierung und eine Einschränkung wenigstens eines der im Grundgesetz verbürgten Rechte erreicht werden; und daß wegen der bäuerlichen Familienbetriebe unsere Verfassung geändert wird, ganz soweit sind wir denn doch noch nicht. j. e.