Verfechtern des Erzählens im Funk (Schnabel, Kühner, Hasselblatt) geht es um die originale Funkerzählung: jene meist monologische Suche nach Sinn an Hand erinnerter Episoden. Stimmen blenden ein, Vergangenes wird gegenwärtig. Dem Erzähler und mit ihm dem Hörer geht reflektierend ein Licht auf.

Daß aber auch der biedere, gute, alte Erzähler vom Mikrophon nicht umzubringen ist, gerät oft unverdientermaßen in Vergessenheit. Seine Stimme erklingt, und der Hörer bekommt den Kinderwunderblick. Bei Wiemans Homer-Lesung war es so und jetzt wieder bei Carl Zuckmayer. Das ist ein Erzähler alter Art, er trägt in herzlicher Anteilnahme seine Fabel mit menschlichen Urtypen vor, wie sie seiner Darstellung nach zeitlos im Salzburger Land herumstolzieren. Das gewinnt alles pralle Körperlichkeit, selbst die Gedanken schwirren „wie geblendete Vögel“.

Das gibt sich wie nach Homerischem Festschmaus oder rückt zusammen wie am Stammtisch. Und dennoch. Das Medium Funk – Zuckmayer und die Theoretiker der Funkerzählung werden es augenzwinkernd bemerken – hat seine Hand im Spiel. Der Dichter schafft sich die Gaffer bei Dichterlesungen vom Leib, seine Stimme wird frei, und der Gesang kann erscheinen. Stimme und Erzähltes gewinnen eine neue Identität. Kein Milieu stört. Dichters Wort und Dichters Stimme erzeugen Klima und Landschaft, durch die die Fabulierwesen „geistern“. Das Grundmuster wird erkennbar. Alles Erzählte ist nur ein Gleichnis. Dem Erzähler wächst ein elektronischer Heiligenschein aus Weinlaub. kli