Von Wolfgang Altendorf

Die klare, einfache, imposante Linie dieses neuen Wasserturmes beeindruckte mich. Nachdem ich die Aussicht genossen hatte, sprach ich unten mit dem Mann am Eingang, der dort die Eintrittskarten verkaufte.

„Nun, wie ist der Besuch ihres neuen Turmes?“ fragte ich ihn.

„Sehr mäßig“, antwortete er. Er nickte zur Straße hin, auf der – in einigem Abstand – der Verkehr vorbeifloß. „Von denen hat keiner Zeit. Die meisten Leute sind kurzatmig. Da scheuen sie sich, auf einen Turm zu steigen.“ „Es ist jetzt elf Uhr“, fuhr der Mann fort, „und ich habe erst drei Karten verkauft.“

„Wie ist es mit den Einheimischen?“ fragte ich weiter.

Der Mann lachte. „Bei der Einweihung vor einem Jahr waren sie vollzählig versammelt. Es herrschte trübes, dunstiges Wetter. Sie standen oben und sahen nichts. Aber seitdem ist keiner mehr erschienen. Die interessieren sich nicht für einen Blick von oben!“

Wirklich nicht? Die Worte des Mannes stimmten mich nachdenklich. Woran hing das? Es gab nicht nur Türme im Land, die einen weiten Blick schenkten, es gab Museen, Galerien, es gab Bauwerke, historische Denkmäler, an denen der Verkehr ebenso achtlos vorbeifloß wie hier an diesem neuen Turm. Ich sah ihn mir nochmals von unten an. Der Architekt hatte eine glückliche Idee gehabt: klar sah er aus, rein, sauber.