Die Deutsche Erdöl AG, Hamburg, stellt die Wirtschaftspublizistik in diesem Jahr vor keine leichte Aufgabe. In einem Prospekt für die Zulassung von 39,75 Millionen DM Aktien aus der Kapitalerhöhung 1964 stammend – sowie einer 75-Millionen-Anleihe aus dem Jahre 1964 hat die DEA ihre Bilanzen für 1963 veröffentlicht, gleichzeitig mit den wesentlichsten Erläuterungen zum Geschäftsbericht. Zur gleichen Zeit ließ die DEA den Redaktionen ein vollständiges Exemplar des Geschäftsberichtes für das Berichtsjahr 1963 zugehen mit dem Vermerk, darüber erst ab 26. Mai 1964 zu berichten. Praktisch soll also über etwas geschwiegen werden, was die Gesellschaft selbst bereits veröffentlicht hat.

Bei der Berichterstattung muß man sich trotzdem zunächst an die Prospektveröffentlichung halten, die das Wesentliche über den Geschäftsverlauf 1963 aussagt. Danach ist 1963 ein Jahr der Konsolidierung gewesen, eine Phase, die der Gesellschaft, die für 1962 ihre Dividende von 12 auf 10 Prozent senken mußte, not tat. 1963 wird es wieder 10 Prozent geben. Ein Anlaß für die Aktionäre, mehr zu fordern, ist nirgends zu erkennen. Wie schon im Vorjahr war es nicht möglich, den offenen Rücklagen aus dem Betriebsergebnis etwas zuzuführen. Mit 27,1 Millionen DM zeigt die DEA den gleichen Jahresüberschuß wie 1962.

Aus den vorangegangenen Aktionärsbriefen wissen wir jedoch, daß die Ertragslage 1963 besser geworden ist. In welchem Ausmaß, läßt sich aus der Bilanz deshalb schwer ausmachen, weil der Anstieg der Körperschaftsteuer von 4,1 auf 15,4 Millionen nicht periodenecht ist, sondern durch Verrechnung periodenfremder Posten beeinflußt wurde. Es wird aber betont, daß an dem Anstieg eine echte Ertragssteigerung beteiligt war. Einen gewissen Anhalt für die Ertragstendenz vermittelt der auf 400 (343) Millionen gestiegene Rohertrag sowie die sonstigen Erträge, die auf 43 (30) Millionen zugenommen haben. Bei den mit 152,2 (151,5) Millionen nahezu gleichgebliebenen Personalkosten scheinen sich Rationalisierungsbemühungen erfolgreich niedergeschlagen zu haben, besonders wenn man berücksichtigt, daß das Geschäftsvolumen beträchtlich zugenommen hat.

Daß sich die DEA 1963 in der Schlußphase eines mehrjährigen Investitionsprogramms befand, das im Vorjahr seinen Höchststand erreicht hatte, zeigt sich am deutlichsten in der einschneidenden Verminderung der Positionen „im Bau befindlicher Anlagen und Anzahlungen auf Neuanlagen“, die sich von 37,9 auf 2,4 Millionen verminderten. Die Zugänge fertiger Werksanlagen blieben um 36,5 hinter denen des Vorjahres zurück. Auf der anderen Seite haben sich die Abschreibungen auf Sachanlagen um rund 15,4 Millionen erhöht. Daher ist erstmalig seit 1960 eine geringfügige Minderung des Gesamtbuchwertes der Sachanlagen auf 414,6 (416,2) Millionen zu verzeichnen. Auch der Buchwert der Beteiligungen nahm um über 14 Millionen ab. Daran ist sowohl die Übertragung des Anteils an der Neumühl AG auf die Rheinpreussen AG als auch die Abschreibung auf die inzwischen stillgelegte Oleonaptha GmbH beteiligt, die zusammen mit der Reichhold Chemie AG gegründet worden war.

Erfreulich ist die nur geringfügig um 7,4 Millionen erfolgte Erhöhung der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Dagegen nahmen die zur Finanzierung der Investitionen aufgenommenen lang- und mittelfristigen Mittel um 24,7 Millionen zu. Eine Qualitätsverbesserung der Bilanz wird sich durch die inzwischen aufgenommene Anleihe sowie durch die letzte Kapitalerhöhung ergeben, deren Durchführung angesichts der gebesserten Börsensituation und im Hinblick auf die anhaltende Beliebtheit der Erdgaswerte keinerlei Schwierigkeiten bereitet hatte.

Insgesamt wirft der Abschluß für 1963 weitaus geringere Probleme auf als das Zahlenwerk des Vorjahres. Damals war die Abschreibung auf Oleonaphta offengeblieben, außerdem bestand eine unangenehme Diskrepanz zwischen dem Buchwert der Rheinpreussen-Beteiligung und dem Börsenkurs der Rheinpreussen-Aktie. Das war am Bilanzstichtag zwar auch noch der Fall, inzwischen ist der Rheinpreussen-Kurs jedoch von 95 auf 140 Prozent gestiegen und damit in etwa eine Angleichung eingetreten.

Der Aktionär kann jetzt seine Blicke auf die Zukunftsaussichten werfen. Dabei weiß der Vorstand in seiner Prognose Licht und Schatten gut zu mischen. Im Steinkohlenbereich erwartet die Gesellschaft keine wesentliche Änderung der Situation. Der Absatz an Kohle wird wahrscheinlich etwas zurückgehen. Die Erzeugung im Mineralölbereich bewegt sich in ansteigender Linie. Nach der in dem Geschäft der DEA besonders hervorgetretenen Expansion des vergangenen Jahres paßt sich der Absatzzuwachs nun der allgemeinen Verbrauchssteigerung an. Die erhöhte Raffineriekapazität wird voll beschäftigt werden. Allerdings gaben die Mineralölpreise infolge der Inbetriebnahme mehrerer Raffinerien in Süddeutschland nach. Bei Heizöl ist sogar ein Preisverfall eingetreten. Die Erdölförderung der DEA im Bundesgebiet wird sich voraussichtlich auf Vorjahreshöhe halten. Die Aufschlußtätigkeit ist verstärkt auf Erdgas in Norddeutschland, in der Nordsee und im Alpengebiet gerichtet. Mehr wurde über dieses Thema, das die DEA-Aktionäre so brennend interessiert, im Prospekt nicht gesagt. Im Ausland konzentriert die Gesellschaft ihre Erdölsuche auf die Gebiete des Mittelmeerraumes und des Persischen Golfes. Am 1. Januar 1964 ist das „Gesetz über Umstellung der Abgaben auf Mineralöl“ in Kraft getreten. Dadurch verringert sich der Erlöswert des deutschen Rohöls, und zwar abgestuft bis 1966. „Die DEA wird dem durch die schon heute erkennbare Ausdehnung des Gesamtgeschäftes sowie durch weitere Rationalisierung begegnen“, heißt es im Prospekt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß es 1963 gelungen ist, die Gesellschaft innerlich zu kräftigen. In dem Kurs von heute 270 Prozent ist bei einer Dividende von 10 Prozent die mögliche günstige weitere Aufwärtsentwicklung der DEA bereits teilweise vorweggenommen worden. Schließlich ist nicht zu übersehen, daß die Gesellschaft noch nicht in der Lage war, aus eigener Kraft ihre Reserven zu stärken. Sicher ist, daß der Kurs gegenwärtig durch Aufkäufe beeinflußt wird, über deren Hintergründe die Börse im Grunde wenig weiß. Das ist auch der Grund, warum die Meinungen über die Berechtigung des jetzt erreichten Kurses auseinandergehen. K. W.