In einem geheimgehaltenen Briefwechsel hat der amerikanische Außenminister Rusk Bundesaußenminister Schröder gedrängt, die Bundesregierung solle sich um ein gutes Verhältnis zu Jugoslawien bemühen, den Wiedergutmachungs-Forderungen Belgrads Gehör schenken und dafür Sorge tragen, daß die auf deutschem Boden tätigen kroatischen Emigrantenorganisationen ihre Tito-feindliche Tätigkeit einstellen.

Schröder hat dieses Ansinnen wohl vorwiegend aus innenpolitischen Gründen entschieden abgelehnt, so daß in Washington von einer „freundschaftlichen Kontroverse“ zwischen den beiden Außenministern gesprochen wird.

Die amerikanische Mahnung an Bonn erklärt sich aus der Tatsache, daß zwar das Verhältnis der Bundesrepublik zu vielen osteuropäischen Hauptstädten sich merklich bessert, ihre Beziehungen zu Belgrad sich hingegen verschlechtern; die Jugoslawen beginnen überdies, sich wirtschaftlich enger mit der DDR zu liieren.

Schröder konnte darauf verweisen, die Bundesregierung habe auf die jugoslawischen Wiedergutmachungs-Forderungen unter der Bedingung eingehen wollen, daß Belgrad seine diplomatische Vertretung in Ostberlin aus einer Gesandtschaft in ein Generalkonsulat zurückverwandle. Tito hat das abgelehnt.