DIE ZEIT

Brandt im Weißen Haus

Eine Stunde lang hat sich der amerikanische Präsident am Montag mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister unter vier Augen unterhalten; der deutsche Botschafter Knappstein, Chefberater McGeorge Bundy und Außenminister Rusk warteten derweil in einem Nebenraum.

Gretchenfrage an Bonn

Willy Brandt hat den Reigen der prominenten Besucher aus der Bundesrepublik in Washington eröffnet. Der CSU-Vorsitzende Strauß, Außenminister Schröder und Bundeskanzler Erhard werden ihm folgen.

Bleibt Lübke?

Bundespräsident, Lübke wird in Kürze wohl zu erkennen geben, daß er bereit ist, noch einmal für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.

Wie das Gesetz es befahl

In einer bayerischen Haftanstalt verbüßt gegenwärtig ein junger deutscher Wissenschaftler eine Freiheitsstrafe. Am 4. Mai 1964 hat Dr.

Sind Journalisten Spione?

Heinz Kersten, Journalist und Schriftsteller, sitzt seit dem 12. Mai in einem DDR-Gefängnis. Der 37jährige Spezialist für kulturpolitische Fragen im Ostblock wird beschuldigt, für den Bundesnachrichtendienst Wirtschafts- und Militärspionage getrieben zu haben.

Maurice wird Legende

In Paris hat vorige Woche der 17. Parteitag der Kommunisten stattgefunden, und was dabei am stärksten beachtet wurde, ist die Tatsache, daß Maurice Thorez, der „Bannerträger der Weltrevolution“ in Frankreich, den Posten des Generalsekretärs niederlegte.

Zeitspiegel

„Mit großer Freude vernahmen wir in der vergangenen Woche die Ansprache, die der Münchner Erzbischof Kardinal Döpfner, am Vorabend des 1.

Ein Preuße in Bonn

Staatssekretär Volkmar Hopf hat 1959 auf ausdrückliches Ersuchen des damaligen Verteidigungsministers Strauß den Vorsitz im Aufsichtsrat der Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) übernommen.

Begehrte Posten

Volkmar Hopf hat die höhere Beamtenschaft, in Bonn gründlich verärgert. Der Staatssekretär weigert sich, eine steuerfreie Vergütung anzunehmen, die ihm dafür zusteht, daß er dem Aufsichtsrat der Vereinigten Industrieverwaltungsgesellschaft MbH.

FDP-Prämie

An den Ministern der Freien Demokraten ist die Wahlniederlage in Baden-Württemberg scheinbar spurlos vorübergegangen. Alle drei sitzen wieder im Kabinett, auch Justizminister Haußmann, der sein Landtagsmandat verloren hat.

Gott in Amerika

Der Kampf um das Schulgebet interessiert die Leute mehr als Chruschtschow und Goldwater

Ein unbequemer Gast

Acht Tage war der jugoslawische Parlamentspräsident Edvard Kardelj mit einer Parlamentarier-Delegation in der DDR. Dieser Besuch sollte schon von seinem Vorgänger Stambolic im Herbst 1960, also vor dreieinhalb Jahren, absolviert werden.

Kronzeuge de Gaulle

Gedanken über eine deutsche Europa- und Ostpolitik, über die beste Manier, Brücken zu den Völkern Osteuropas zu schlagen, hat Willy Brandt der Außenpolitischen Gesellschaft in New York vorgetragen.

Sterben für Aden?

Tote auf Bestellung – die blutigen Zwischenfälle in der Südarabischen Föderation können fürwahr aus einem drittklassigen Kriminalfilm stammen.

„Hauptsache, das Schießen hört auf!“

Im südvietnamesischen Bürgerkrieg ist neuerdings etwas Bemerkenswertes geschehen. Zum erstenmal sind im Mekong-Delta Einheiten des kommunistischen Vietcong in Regimentsstärke von mehr als tausend Mann aufgetreten.

Den Mördern auf der Spur

Seitdem von Polen und der DDR die Sondergerichts-Tätigkeit des ehemaligen Vertriebenenministers Hans Krüger aufgedeckt wurde, hat die SPD-Bundestagsfraktion bei der Bundesregierung schon dreimal angefragt, was sie getan hat und was sie tun wird, um sich gegen ähnliche Überraschungen zu wappnen.

US-Kontakt mit Rumänien

Erst haben uns die Amerikaner bombardiert und dann die Russen.“ Der dies sagte, war ein rumänischer Diplomat – einer, der vor zwei Jahren sicherlich nur von den „sowjetischen Befreiern“ gesprochen hätte.

Tauziehen mit Tunis

Die Beziehungen zwischen Paris und Tunis waren gut, seitdem die Franzosen den Flottenstützpunkt Bizerta räumten. Letzte Woche trat eine jähe Verschlechterung ein: Präsident Habib Burgiba ließ allen französischen Landbesitz enteignen.

FDJ-Treffen:: Twist und Transparente

Über 500 000 Jugendliche nahmen am Ostberliner „Deutschlandtreffen der Jugend“ teil. Unter ihnen waren nach Angaben der FDJ 24 000 „offizielle“ Teilnehmer des Treffens aus der Bundesrepublik; einige tausend Jugendliche kamen als ungeladene Gäste durch die Mauer.

Von ZEIT zu ZEIT

Mit leichtem Rückenwind fuhr Außenminister Schröder von der NATO-Frühjahrstagung im Haag zum kleinenCDU/CSU-Pfingst-Gipfel-Treffen mit Erhard und Strauß an den Tegernsee.

„Ein langer, harter Krieg“

Zum zweiten Mal binnen zwei Monaten war der amerikanische Verteidigungsminister Robert McNamara letzte Woche in Vietnam. Dieses Mal trug er in Saigon vorsichtshalber eine kugelsichere Weste; ein Anschlag auf den Minister wurde mit knapper Not vereitelt.

Sudetentag in Nürnberg:: Lautsprecher Seebohm

Die Deutsche Jugend As Ostens (mit Trommeln und Fanfaren) und Verkehrsminister Seebohm (mit einer Sonntagsrede) sorgten für die akustischen Höhepunkte beim Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Nürnberg.

Rusk – Schröder:: „Freundschaftliche Kontroverse“

In einem geheimgehaltenen Briefwechsel hat der amerikanische Außenminister Rusk Bundesaußenminister Schröder gedrängt, die Bundesregierung solle sich um ein gutes Verhältnis zu Jugoslawien bemühen, den Wiedergutmachungs-Forderungen Belgrads Gehör schenken und dafür Sorge tragen, daß die auf deutschem Boden tätigen kroatischen Emigrantenorganisationen ihre Tito-feindliche Tätigkeit einstellen.

Wechsel in Panama:: Gemäßigter Sieger

Als Justizminister hatte Robles in den letzten Jahren mit der Unterwelt aufgeräumt. Aber das allein hätte kaum für einen Wahlsieg gereicht, denn die abtretende Regierung Chiari stand ansonsten in dem Geruch totaler Unfähigkeit und Korruption.

PEN-Bummel 1964

Als wir Robert Neumann baten, den ZEIT-Lesern von der diesjährigen Tagung des PEN-Clubs in Berlin zu berichten, wußten wir, daß uns da kein konventioneller Bericht bevorstand.

Zoll für Schüchterne

An Buchläden sind oft Automaten aufgestellt, die broschierte Werke gegen Entgelt herausgeben. Sie gewähren sogar, in gewissen Grenzen, freie Wahl des Titels: Verschiedene Bände sind in numerierten Segmenten einer drehbaren Trommel gelagert, welche man so einstellen kann, daß das Gewünschte herausfällt, nachdem Münzen hineingesteckt und Hebel bedient worden sind.

Die Wurzel allen Übels

Die Geschichte wurde mir von meinem Vater erzählt, welcher sie wiederum von seinem Vater gehört hatte, dessen Bruder selber dabei gewesen war; wäre es nicht so gewesen, dann hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht geglaubt.

Am Wendepunkt

Über Klaus Mann wußte ich bis vor kurzem kaum etwas. Weder in der Schule noch auf der Universität erinnere ich mich, jemals seinen Namen gehört zu haben.

Großer Selbstloser

Ja, muß es denn gerade dieses schmale, gelbe Büchlein sein, das mir in die Finger fällt? Sein Titel heißt „Leos Janácek – Leben und Werk“.

Picasso und der Bitterfelder Weg

In der DDR macht sich neuerdings ein gewisses Unbehagen am sozialistischen Realismus bemerkbar. Eine Diskussion ist in Gang gekommen, die darauf abzielt, die marxistische Ästhetik aus allzu engen Bindungen zu befreien.

Kleiner Kunstkalender

Das älteste Stück ist ein Fußbecher aus grauschwarzem Ton mit eingekerbten Horizontalen und Diagonalen vom Anfang des 5. Jahrtausends v.

Zeitmosaik

Eine ernste politische Krise hat Bert Brechts „Kaukasischer Kreidekreis“ in Afrika heraufbeschworen. Athol Fugard, ein weißer Afrikaner, wollte das Stück in Lusaka mit einer schwarzweißen Besetzung inszenieren, die weibliche Hauptrolle sollte die Frau des Ministers Kalulu übernehmen.

Fernsehen: Kombinationsteppiche

Brave Theaterstücke und uralte Filme; zähe Reprisen und Evergreens in herbstlichem Flor: Nein, diese Woche war nicht schön. Hatte man, acht Tage zuvor, dem Verfasser der Universitäts-Reportage noch die mangelhafte Definition der akademischen Senate zum Vorwurf gemacht, so wäre zwischen dem 10.

Unser Kritiker sah:: FIESKO

Die gegenwärtige Praxis der Ruhrfestspiele hat auch etwas Gutes. Wenn man nur ein einziges Stück als Eigeninszenierung herausbringt und wenn dies, wie nun schon seit Jahren, ein Klassiker ist – dann gibt es keine „Aussage“, dann gibt es nur Theater.

Zum Lesen nichts und nichts zum Nachschlagen

Ganz offensichtlich gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade in der Aneignung dessen, was wir gemeinhin die Welt nennen und worunter wir in der Regel doch nur unsere Erde verstehen – je nachdem, was wir uns da aneignen wollen, Physisches und Materielles oder Kulturelles und Geistiges.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT, weil von allen 14 Autoren die ihnen gestellte Frage lediglich als Provokation aufgefaßt wurde und als willkommener Ausgangspunkt für höchst individuelle und bisweilen auch eigenwillige, meist temperamentvolle und sogar zornige Erwägungen über die Rolle, die Literatur, Kunst und Bildung in Deutschland im Laufe der Jahrhunderte gespielt haben und heute spielen.

Idyllisch oder grandios versponnen

Das Tausendjährige Reich hat nur zwölf Jahre gedauert. Aber wenn man deutsche Literatur von vorher liest, Vor- Weltkrieg, Weltkrieg, Nach-Weltkrieg, ist man versucht, zu glauben, es habe doch hundert Jahre gehalten, – solange ist das her, so sonderbar veraltet, so weltenfern, was damals entstand.

Bayerischer Senat als Bollwerk

Außerhalb der weiß-blauen Grenzpfähle weiß man mit dem Bayerischen Senat nur recht wenig anzufangen. Eine bayerische Marotte eben, mehr nicht.

Ein Spion mit Namen Dunlap

Nach zwanzig Jahren erinnert sich eine Frau: „Er war US-Agent“ – Lügendetektoren brachten die Vorgesetzten auf die Spur

Ärger mit den Zebrastreifen

Des Schwabenlandes Verkehrsexperten standen ziemlich ratlos vor der Tatsache, die ihnen Gerd Pelletier im Fernsehen beweiskräftig vorgeführt hatte.

Streit um den Haushalt

1. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 10. März 1964 wurde im Länderspiegel unter der Überschrift „Ich gehe, wann es mir paßt“ (Untertitel „Der Rücktritt des bayerischen Finanzministers Dr.

Freiheit, die sie meinen

Die acht Angeklagten, die in der vergangenen Woche vor der 7. Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts standen, waren nicht von dem Typ, den Richter einer Jugendkammer sonst gewohnt sind.

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