ESSEN (Villa Hügel):

„Kunsfschäfze in bulgarischen Museen und Klöstern“

Das älteste Stück ist ein Fußbecher aus grauschwarzem Ton mit eingekerbten Horizontalen und Diagonalen vom Anfang des 5. Jahrtausends v. Chr., das jüngste ein Henkeltopf ebenfalls aus Ton mit stilisierten Zweigen aus dem Jahr 1962. Daß die bulgarische Kunst, im weiten Sinn verstanden, das Handwerk, die schlichte Töpferware inbegriffen, mit so gewaltigen Zeiträumen rechnen kann, weiß man seit neuen archäologischen Ausgrabungen und Funden. Die Volksrepublik Bulgarien zeigt diese Resultate mit verständlichem nationalen Stolz auch im westlichen Ausland. Paris sah im vorigen Jahr bulgarische Goldschätze, die Ausstellung hatte sensationellen Zulauf. Die Villa Hügel kann in diesem Sommer – bis zum 31. Juli – dank der Bemühungen und der Verbindungen von Berthold Beitz mit rund 500 Objekten die umfangreichste Ausstellung bulgarischer Kunst repräsentieren, die es bisher überhaupt gegeben hat. In die vorgeschichtliche Zeit gehören einige weibliche Idole, erst aus Ton, später kunstvoll aus Knochen und Kupferblech gearbeitet, sie bezeugen die weite Verbreitung des Magna-mater-Kultes. Als das Land der Thraker tritt Bulgarien in die Geschichte. Thraker sind am Trojanischen Krieg beteiligt, Homer erwähnt einen reich geschmückten Becher, den Priamus von einem Thrakerfürsten bekam und den er den Griechen als Lösegeld für den toten Hektor geben wollte. Der ausgestellte Amphora-Rhyton, dessen Henkel zwei Kentauren bilden, mit einer friesartigen Darstellung mythologischer Szenen, stammt aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert und gehört mit anderen Schalen und Trinkgefäßen zu dem berühmten, erst vor wenigen Jahren entdeckten Goldschatz von Panagjurischfe. Das bedeutendste antike Werk ist die Grabplatte des Anaxander, eine zweieinhalb Meter hohe Marmortafel vom Beginn des 5. Jahrhunderts. Mit den späteren hellenistischen Werken werden gleichzeitig auch entlegene Kulte des römischen Imperiums importiert. Ein herrlich bewegtes Mithras-Votivrelief ist so nach Bulgarien gekommen. Als einheimische Gottheit erscheint in vielen Darstellungen der Thrakische Reiter, der, nur geringfügig verändert, später als Heiliger Georg figuriert, wobei er gleichzeitig von der Plastik zur Malerei, zur Ikone überwechselt. Die Ikonenmalerei ist Bulgariens Beitrag zur mittelalterlichen europäischen Malerei, 130 Tafeln vom 10. bis zum 19. Jahrhundert bilden den größten Komplex der Ausstellung.

FRANKFURT (Galerie Sydow):

„Erich Brauer“

Erich Brauer kommt, wie Hundertwasser, mit dem er befreundet ist, aus Wien. „Ich treffe ihn auf der braunen Strafe des Traumes, die ihn in den heiligen Orient führt“, schreibt Friedereich Hundertwasser. Brauer ist nicht nur träumenderweise im Orient gewesen. Er hat in Tel Aviv als Tänzer und Sänger gearbeitet, er war auch in Afrika, aber die bengalischen Lichteffekte in seinen Bildern sind nicht als reale Impressionen orientalischer oder Wüstennächte gemeint. Er malt Märchenlandschaften, grüne Riesenschmetterlinge, Seepferdchen, Hirschkäfer fliegen in einer fluoreszierenden Aura durch den nächtlichen Himmel, auf der Erde wachsen seltsam zugestutzte Kugelbäume mit Fangarmen, ein „Glühender Dornbusch“, dazwischen tummeln sich Gruppen von Jägern, dem fliehenden Widder sprießt ein Baum aus dem Haupt. Die einzelnen Szenen sind durch keine Logik einer gemeinsamen Fabel verknüpft, es sind beliebige Ausschnitte aus einer Phantasmagorie, die keine Höllenvisionen, keinen Untergang, keine Existenzbedrohung offenbaren will und auch keinen psychischen Schock im Sinne der Surrealisten auslöst. Diese harmlose, märchenbunte, lustig fabulierende Malerei wird nicht etwa von naiven Betrachtern, sondern gerade von verwöhnten Kennern außerordentlich geschätzt, die es für medioker halten, allzu genau zwischen Kunst und Kitsch zu unterscheiden und im Vorfeld der offiziell anerkannten Malerei nach skurrilen Dingen fahnden. Wenn seine Anhänger ihn mit Breughel vergleichen und das Drama menschlichen Daseins in seinem Werk zu entdecken glauben, dann kann man nicht den Maler für solche komischen Irrtümer verantwortlich machen. Die Galerie Sydow zeigt – bis Ende Mai – rund zwanzig Bilder, die Brauer im letzten Jahr in Paris gemalt hat. g. s.