Die Deutsche Jugend As Ostens (mit Trommeln und Fanfaren) und Verkehrsminister Seebohm (mit einer Sonntagsrede) sorgten für die akustischen Höhepunkte beim Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Nürnberg. Zwischen 300 000 bis 400 000 Sudetendeutsche waren nach Nürnberg gekommen; prominentester Ehrengast war Otto von Habsburg, der Sohn des letzten österreichischen Kaisers. Die Grüße der Bundesregierung überbrachte Innenminister Höcherl, der erklärte, daß die Bundesrepublik keine Ansprüche auf fremdes Staatsgebiet erhebe.

Seebohm dagegen forderte die Rückgabe der „geraubten sudetendeutschen Gebiete an das sudetendeutsche Heimatvolk“. Das Münchner Abkommen, in dem die Tschechoslowakei erpreßt worden war, das Sudetenland an das Deutsche Reich abzutreten, ist nach Meinung des Ministers „völkerrechtlich einwandfrei zustande gekommen“ und deshalb auch heute noch gültig.

„Die Forderungen, die Chruschtschow 1958 in dem Entwurf seines Friedensvertrages und die jetzt der tschechische Stalinist Novotny erhoben hat, daß nämlich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland auf das sogenannte Münchner Abkommen ausdrücklich verzichten solle, wird dem historischen Tatbestand nicht gerecht.“

Auf einer Pressekonferenz erklärte Seebohm, dienstältestes Mitglied des Bundeskabinetts, in der sudetendeutschen Landsmannschaft bestehe keine volle Befriedigung über die Ostpolitik Schröders. Er gestand dem Außenminister zu, daß er in der täglichen Politik variabel sein müsse, für die Landsmannschaft erklärte er jedoch: „Das brauchen wir nicht.“

Der Landesführer einer sudetendeutschen Gruppe meinte zu der Rede Seebohms: „Früher, als Lodgman von Auen noch lebte, hatten wir einen Altsprecher, jetzt haben wir einen Lautsprecher.