In Orly, dem Flugplatz von Paris, traf der Berichterstatter des „Figaro“ unlängst eine alte Dame. Sie sah so aus wie alte Damen in alten Filmen aussahen. „Einen Flugschein nach New York, bitte“, sagte sie am Schalter der Air France und grub in ihrer altmodischen Handtasche, nach Paß und Geldscheinen.

„Sie haben kein Visum für Amerika, Madame.“

„Nun gut, dann bitte, ein Billett nach Rio!“

Aber die brasilianische Einreise-Erlaubnis fehlte ebenfalls in ihrem Paß. Weil sich jedoch zufällig eine Boeing startbereit für den Flug nach Montreal machte, änderte die alte Dame ihre Pläne. „Nun, dann fliege ich eben nach Kanada.“ Und sie flog.

Andren Abends erfuhr der Berichterstatter, daß sie nach der Landung in Montreal zurückgewiesen worden sei. Keine ordentlichen Papiere. Nun war sie wieder in Orly. Hin und zurück über den „Großen Teich“ in zwei Tagen! Da war nun freilich ein Interview fällig.

Es stellte sich heraus, daß die alte Dame, die bei ihren Kindern in einem französischen Provinzstädtchen lebt, sich mit eben diesen ihren Nachkommen nicht allzeit gut verträgt. Alle drei Monate ist leider ein Krach, aber gottlob auch eine nicht kleine Witwenrente fällig.

„Unter diesen Umständen muß ich mal was anderes sehen!“ sagte die alte Dame. „Mal aufatmen! Mal ausspannen! Mal unter Menschen! Ach, wissen Sie, ich war schon in Tahiti und auf den Antillen und wo nicht noch überall!“