Von Schiller

Ruhrfestspiele, Recklinghausen

Die gegenwärtige Praxis der Ruhrfestspiele hat auch etwas Gutes. Wenn man nur ein einziges Stück als Eigeninszenierung herausbringt und wenn dies, wie nun schon seit Jahren, ein Klassiker ist – dann gibt es keine „Aussage“, dann gibt es nur Theater. Kann man jedoch dasselbe Stück in Düsseldorf, Essen, Bochum oder an einem anderen Stadttheater im Einzugsgebiet der Ruhrfestspiele ebenso gut oder besser sehen, dann hat Recklinghausen seine Sonderstellung verwirkt. Sie beruht auf dem Beispiel als Festspiel. Der Maßstab darf und muß der strengste sein.

Heinrich Koch (Frankfurt/Main) hat „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ kompiliert aus den drei Schillerschen Fassungen. Mit dem Leipziger Schluß, in dem der Republikaner Verrina den Monarchen Fiesko erdolcht, findet das „republikanische Trauerspiel“ sein sinnvolles Ende. Auch die Striche im Text bezeugen eine gute Dramaturgenleistung. Ihr kongenial erweist sich die von Ekkehard Grübler geformte Bühne. Als Farb- und Sinnakzente überzeugen Grüblers Kostümentwürfe.

Dann sprang der Regisseur sozusagen über seinen Schatten und bekannte sich zum „Pathos“ des jungen Schiller. Aber es ist wie verhext mit den guten Absichten Heinrich Kochs. Strebt er nach wesenhaftem Ausdruck, indem er (etwa die „Antigone“ des Sophokles) unterspielen läßt, dann fördern die Schauspieler trotzdem eine (lediglich unterkühlte) Deklamation zutage. Heizt er ihnen (jetzt im „Fiesko“) ein, dann wirkt Schillers Pathos hohler, als es ist.

Koch weist den Darstellern wohl geistig die Wege. An der komödiantischen Hilfe, wie das Ziel zu erreichen sei, läßt er’s auf der letzten, kurzen, aber entscheidenden Wegstrecke fehlen. Wer auf Stimmen reagiert, fühlte nach dieser „Fiesko“-Vorstellung auch als Zuschauer einen Kloß im Halse. So war gebrüllt, forciert worden.