Jahrelang stand das Barometer der Beziehungen zwischen Paris und Tunis auf Schönwetter – trotz gelegentlicher Störungsausläufer, die das Algerienproblem mit sich brachte.

Nun aber ist der blaue Himmel von düsteren Wolken getrübt: ein neuer Konflikt über die Rückgewinnung des Siedlerlandes ist ausgebrochen. Die tunesische Regierung hat sich entschlossen, den Landbesitz der Europäer, vornehmlich Franzosen, ohne vorherige Verhandlungen mit den Betroffenen zu verstaatlichen. Auf diese Weise gehen 400 000 Hektar Land in den Besitz des tunesischen Staates über. 270 000 Hektar davon waren allein in französischem Besitz.

Diese Entscheidung bringt der Regierung Bourguiba zwar eine größere Beliebtheit bei den eigenen Landsleuten ein. Auf der anderen Seite aber verliert sie damit gleichzeitig die französische Wirtschaftshilfe. Denn als Vergeltung hat die französische Regierung jetzt einen Kredit von 210 Millionen Franc gestrichen, der für ein langfristiges Wirtschaftsprogramm bestimmt war und die Entwicklung des Landes fördern sollte. glp.