Wenn es in diesem Land einen Hosenbandorden für Zivilcourage gäbe, er würde den Bundestagsabgeordneten Blohm und Elbrächter gebühren: Honi soit qui mal y pense! Aber nach Lage der Dinge, das heißt nach dem gegenwärtigen Stand der Unvernunft, haben die beiden Abgeordneten allenfalls eine Anwartschaft auf den Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst“ erworben. In geradezu rührender Unschuld haben sie es gewagt, einen Vorschlag zum Thema Ladenschluß zu machen. Danach soll der gesetzliche Ladenschluß an Freitagen von abends halb sieben auf neun Uhr verschoben werden, wobei es den Geschäften selbstverständlich freigestellt bleiben soll, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

Heilige Einfalt! Das hieße doch nicht mehr und nicht weniger, als die Vernunft zum Gesetz erheben, dem gesunden Menschenverstand die Ehre geben und den Verbrauchern zu ihrem Recht verhelfen. „Eher wird in der Bundesrepublik die Monarchie wiedereingeführt, als daß das Ladenschlußgesetz wieder abgeschafft wird“, hat einmal ein feinsinniger Kenner der Materie gesagt. So laßt denn alle Hoffnung fahren!

Daß die Wirtschaft dem Verbrauch dient, gilt zwar allgemein als eine Binsenwahrheit; aber nur wirklichkeitsfremde und mittelstandsfeindliche Weltverbesserer werden behaupten wollen, daß die Wirtschaft auch dem Verbraucher zu dienen habe. Wo auch kämen wir in der Bundesrepublik hin, wenn dem Verbraucherinteresse vom Gesetzgeber der Vorrang vor sonstigen Interessen eingeräumt würde? Das wäre ja das Ende des Wirtschaftswunders, wenn die Hausfrau ihre Einkäufe auch dann noch machen könnte, wenn sie Zeit dazu hat. Es wäre ja nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn man es den Einzelhändlern freistellen würde, wann sie ihre Ladentür auf- und zuschließen! Denn schließlich haben wir uns mit der Einführung der sogenannten freien Marktwirtschaft zur privaten Unternehmerinitiative bekannt!

Spaß beiseite! Der Vorstoß der beiden Bundestagsabgeordneten wird am Widerstand innerhalb der eigenen Fraktion scheitern. Mit einer Mehrheit im Bundestag ist schon gar nicht zu rechnen, von dem Widerstand der Angestelltengewerkschaft ganz zu schweigen (dabei denkt niemand im Ernst daran, die tariflich festgelegte Arbeitszeit im Einzelhandel heraufzusetzen). Die Familienbetriebe, die eigentlich nur gemeint sein können, weil sie auf die Gewerkschaften pfeifen und ihren eigenen wohlverstandenen Interessen folgen können, werden sich weiterhin über das Vordringen der Großbetriebe im Einzelhandel zu beschweren haben.

Die Expansion der Großfilialen, Supermärkte, Waren- und Versandhäuser wird also auch in Zukunft „den Lebensraum des mittelständischen Einzelhandels immer stärker beengen“, wie es der Präsident der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels am vergangenen Wochenende in Baden-Baden so herzergreifend formulierte.

Supermärkte kommen, Einzelhändler vergehn

Hauptsache, Ladenschlußzeiten bleiben bestehn.