Während die Großbanken im vergangenen Jahr ihre Bilanzsummen um 6 bis 8 Prozent ausdehnen konnten, melden die öffentlichrechtlichen Landesbanken und Girozentralen weitaus höhere Wachstumsraten.

Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen? Die Gründe dafür liegen vor allem in der andersartigen Struktur. Landesbanken dienen einmal als Zentralkassen für die ihnen angeschlossenen Sparkassen, zum anderen sind sie Hausbanken der Länder, drittens ist ihnen in der Regel eine Bausparkasse als Abteilung angegliedert, und viertens betreiben sie eine zweigleisige Geschäftspolitik. Sie gewähren sowohl kurz- als auch mittelfristige Kredite und pflegen besonders das expansive, langfristige Geschäft, indem sie sich die dafür erforderlichen Mittel durch die Ausgabe von Bankschuldverschreibungen verschaffen. Landesbanken sind, wenn man so will, gemischte Institute. Sie sind – zum Leidwesen aller privatrechtlichen Mitbewerber – sowohl Hypothekenbanken als auch im öffentlichen und privaten Geschäft tätige „Geschäftsbanken“, die sich ohne die Belastung durch die Wertpapiersteuer refinanzieren können.

Das verdeutlicht wieder einmal der Geschäftsbericht der Landesbank für Westfalen, Girozentrale, Münster (Westfalen), der in diesen Tagen der Öffentlichkeit vorgelegt wurde. Doppelt so stark wie 1962, um 19 Prozent oder eine Milliarde, auf 6,2 Milliarden Mark hat das Institut seine Bilanzsumme ausgeweitet. Vor allem das langfristige Geschäft und das bemerkenswerte Wachstum der Bausparkasse um 120 Millionen haben dazu beigetragen. Im besten Rentenjahr seit der Währungsreform stieg der Umlauf der Schuldverschreibungen um 446 Millionen auf 2,2 Milliarden Mark, zu denen noch langfristig angenommene Darlehen in Höhe von 854 Millionen als solide Refinanzierung treten.

Diesen langfristigen Mitteln von insgesamt 3,08 Milliarden standen Ende 1963 Ausleihungen in Höhe von 2,97 Milliarden gegenüber, das heißt, ein um 377 Millionen Mark ausgeweitetes Geschäft, das sich auf Hypotheken, Kommunaldarlehen und „Sonstige“ verteilt. Sehr beträchtlich war auch dank der erhöhten Liquidität der Sparkassen das Wachstum der Einlagen. Sie nahmen am 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Mark zu. 1,6 Milliarden davon stammen von Kreditinstituten. Der größte Teil des Zuwachses fand Anlage als Nostroguthaben bei der Deutschen Girozentrale – Deutschen Kommunalbank, dem Spitzeninstitut der Sparkassenorganisation. Um 280 auf 925 Millionen Mark erhöhten sich diese Gelder, die Zeugnis für eine hohe Liquidität sind.

Stärker als bei anderen Banken kletterten aber auch die Verwaltungskosten, die schon im Vorjahr Sorgen bereiteten. Sie nahmen insbesonders wegen der Gehaltserhöhungen und einer um 50 auf 1600 Personen verstärkten Belegschaft um 2,1 auf 19,4 Millionen Mark zu. Dennoch führte das erweiterte Geschäftsvolumen und außerordentliche Erträge von 3 Millionen (Auflösung von Rückstellungen und stillen Reserven) zu einem um 3 auf 18,6 Millionen Mark erhöhten Gewinnausweis. Der Löwenanteil davon, nämlich 15 Millionen, kommt den Rücklagen zugute, während 3,6 Millionen wie im Vorjahr an die Gewährsträger als sechsprozentige Verzinsung des Stammkapitals ausgeschüttet werden.

Bei einer Bilanzsumme von 6,19 Milliarden Mark betrug das Eigenkapital Ende 1963 somit 127 Millionen oder 2,05 Prozent der Bilanzsumme. Diese niedrige Kapitalausstattung hat die Bank bewogen, Anfang 1964 ihr Eigenkapital um 15 Millionen Mark zu erhöhen. W. W.