Über 500 000 Jugendliche nahmen am Ostberliner „Deutschlandtreffen der Jugend“ teil. Unter ihnen waren nach Angaben der FDJ 24 000 „offizielle“ Teilnehmer des Treffens aus der Bundesrepublik; einige tausend Jugendliche kamen als ungeladene Gäste durch die Mauer.

Am Pfingstsonntag zogen fünf Stunden lang 320 000 FDJ-Mitglieder über den Marx-Engels-Platz. 1,75 Millionen Flaschen Bier, 375 Millionen Flaschen alkoholfreier Getränke, 2,2 Millionen Bockwürste, 2 Millionen Negerküsse, 100 Tanzkapellen und 1200 Kulturveranstaltungen warteten auf die Ostberliner Pfingstgäste.

Das Straßenbild im Ostberliner Stadtzentrum war an Pfingsten zeitweise von Diskussionsgruppen west- und ostdeutscher Jugendlicher beherrscht. Es kam jedoch nicht zu Zwischenfällen. Auf den transparentgeschmückten Straßen wurde Twist getanzt bis spät in die Nacht.

In Westberlin forderte Bürgermeister Heinrich Albertz die DDR-Regierung auf, zwanzig Übergänge in die Mauer zu sprengen und die Schlagbäume wegzuräumen. Albertz erklärte: „Wir laden die jungen Menschen zu uns ein, sie sollen sehen, wie man ohne Befehl menschliche Pfingsten feiern kann und eine wirkliche freie deutsche Jugend.“

Ulbricht sah davon ab, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Ohne seine Einwilligung flüchteten während der Feiertage zwei Dutzend Menschen über die Grenze nach Westen.