Die Ewig-Gestrigen unter dem Mantel der Pseudo-Wissenschaft

Von Karl-Heinrich Jan ßen

Willy Glasebock:„War Deutschland am2. Weltkrieg allein schuld? Von Versailles bis Danzig.“ Ring-Verlag Helmut Cramer, Siegburg-Niederpleis, 1964, 582 Seiten, 26,80 DM

Udo Walendy: „Wahrheit für Deutschland. Die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges.“ Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho/Weser, 1964, 399 Seiten, 22,50 DM

David L. Hoggan: „Frankreichs Widerstand gegen den zweiten Weltkrieg. Die französische Außenpolitik von 1934 bis 1939.“ Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, Tübingen, 520 Seiten, 34,– DM

Sag mir, für wen du schreibst, und ich sag dir, wer du bist.“ Wohlan denn. Ehe wir uns den drei Autoren zuwenden, die Adolf Hitler von der Schuld am Zweiten Weltkrieg entlasten wollen, sehen wir uns einmal ihre Verleger oder Auftraggeber an. Der Jurist Dr. Willy Glasebock hat seine Untersuchungen über den Kriegsausbruch zuerst in der „Deutschen National- und Soldaten-Zeitung“ veröffentlicht. Verleger Gerhard Frey und der Kölner Althistoriker Berthold Rubin, Kolumnist der „Soldaten-Zeitung“, schrieben Geleit- und Vorworte zur Buchausgabe.

Es lohnt sich, in der angedeuteten Richtung weiterzuforschen. Glasebock, kein Fachhistoriker, fand „wertvolles Material“ in der Monatsschrift „Nation Europa“, die von dem einstigen SA-Obertruppführer und Hauptsturmführer der Waffen-SS, Albert Ehrhardt, herausgegeben wird. Diese Zeitschrift zeichnet sich unter anderem durch ungewöhnliche Vertriebsmethoden aus. Ihre Vertreter erleichtern gutgläubige Kaufleute um „Patenschaften“ von 600 Mark im Jahr, für die Oberschulen in der Bundesrepublik kostenlos mit Publikationen beliefert werden, in denen mehr von „Nation“ als von „Europa“ die Rede ist, und von Europa nur in dem Sinne, wie es sich die europäischen Freiwilligen der Waffen-SS erträumten. „Nation Europa“ empfiehlt seinen Lesern das Erstlingswerk Udo Walendys, das in einem „Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung“ erscheint.