Wir Gärtner, so behauptete der Schriftsteller Karel Capek, leben in die Zukunft hinein. Stimmt; er hat im "Jahr des Gärtners" sogar ausgerechnet, wie lange ein Mitglied dieser Spezies Mensch braucht, um aller Genüsse seines erdverbundenen Tuns teilhaftig zu werden. Beginnend mit dem echt englischen Rasen, der allein dreihundert Jahre für sich erheischt, fortfahrend mit so ehrgeizigen Unternehmungen wie dem Züchten wenigstens der notwendigsten und schönsten Blumen in vielen Dutzenden "Varietäten", Bäume inklusiv – ja dann: "Zähle ich all das zusammen, errechne ich, bei sehr vorsichtiger Schätzung und sozusagen unter Brüdern, elfhundert Jahre ... Elf hundert Jahre braucht der Gärtner, um alles, was ihm zukommt, auszuprobieren, zu bewältigen und praktisch zu verwerten..."

Dabei hatte der Capek sich freilich noch immer keinen Gedanken darüber hingegeben, was denn nun ein "Gartenwohnplatz" sei, wo man denn derbe Würste und zarte Steaks grille, über welche Treppen man in sein Paradies gelangen könne, wie man dasselbe mit Plastiken, Findlingen oder "Leuchten" schmücke, Brücken über Teiche spanne, "allerlei Kriechtiere" ansiedele. Für den tätigen Gärtner sind dies luxuriöse Nichtigkeiten, für den Gartenbewohner hingegen, dem es mehr auf den Genuß ankommt, ist das ein ästhetisches und soziales Bedürfnis. Ist er Aufwand gewöhnt, wird er sich unter den Gartenarchitekten umtun. Träumt er erst vom Haus nebst eigener Scholle, riskiert er zunächst ein paar Mark für ein Gartenbuch, und seien es auch gleich fünfundsiebzig. Zum Beispiel für "Schöne Gärten" von Christa Ketzner und Jo Hagel, erschienen im Otto Maier Verlag, Ravensburg. Der Klappentext verspricht flott "ein großes Gartenbuch, leuchtend und bezaubernd in farbiger Pracht, überzeugend in der Gestaltung, umfassend und sorgfältig ins einzelne gehend und kritisch in der Beratung."

Von diesen Versprechungen wird freilich so gut wie keine gehalten, nur mit dem Format stimmt es: das Buch ist in der Tat groß und schwer wie ein Atlas. Und mit der farbigen Pracht – zum Teil.

"... wünscht fast jeder neue Hausbesitzer, auch seinen Gartenvorraum nach individuellen Wünschen gestalten zu können." Das ist wahr, und wer auf der Terrasse seines Reihenhauses sitzt, weiß, daß die Lust am Gestalten auch dem fünf mal fünfzehn Meter großen Geviert hinterm Hause gilt. Man muß das einmal beobachtet haben:

wie die Nachbarn ihre handtuchschmalen Besitzungen abschreiten, wie sie – gegenüber – grimmig ihre etwas krumm geratenen Rasenbananen mähen, wissend, daß sie nur mähen und unermüdlich Klee ausstechen dürfen, aber laut Kaufvertrag nichts "die Gesamtanlage Veränderndes" tun dürfen,

wie sie trotzdem der Genossenschaftsbestimmung trotzen und sich nach dem System der Salamitaktik Scheibchen um Scheibchen ihrer Individualität von der Gemeinschafts-Ästhetik zurückerobern und ihre nierenförmigen Rabatten Kurve um Kurve in den Rasen vortreiben,

wie sie widrig Hecken setzen zur sichtbaren Begrenzung ihres Anwesens und zur komischen Abwehr herumtollender Nachbarskinder,