Von Wolfgang Müller-Haeseler

„Was mir an Herrn Fleurant, meinem Apotheker, besonders gefällt, daß seine Rechnungen immer so höflich stilisiert sind. Es ist aber nicht genug, daß man höflich sei, man muß auch billig sein und den Kranken nicht schinden

Moliére, Der eingebildete Kranke, 1673

Wenn die ironisch-bissige Bemerkung, die Moliére in seinem Monolog zum „Eingebildeten Kranken“ sprechen ließ, stimmt, dann haben es die Apotheker vor rund 300 Jahren besser gehabt als heutzutage. Dann konnten sie nämlich die Preise für ihre Arzneien und Leistungen nach Gutdünken festsetzen. Aber auch ihre Kunden waren besser dran, denn – immer wenn man Molière glauben kann – sie konnten eigenmächtig Abstriche an den Apothekerrechnungen vornehmen.

Das gibt es heute nicht mehr – weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Aber unausrottbar ist offensichtlich die Überzeugung von den „Apothekerpreisen“, die vielleicht in den Usancen vor 300 Jahren ihren Ursprung haben mögen. Ja, noch mehr – die vielzitierten Apothekerpreise beziehen sich heute nicht mehr allein auf die Apotheken; alles, was teuer ist, kostet im Volksmund „Apothekerpreise“.

Ist dieser Glaube eigentlich noch berechtigt? Neben den angeführten Preisen kann man auch oft den gedankenlos dahingesprochenen Satz hören, es sei noch kein Apotheker verhungert, analog zu den berühmten Bäckern und Fleischern. Es ist zwar nicht bekannt, ob nicht vielleicht irgendwo und irgendwann noch einmal in einem besonders gesunden Landstrich ein Apotheker mangels Patienten und Kunden das Zeitliche gesegnet hat; die gedankenlose Bemerkung soll doch aber mit anderen Worten wohl nichts anderes bedeuten, die Apotheke sei in jedem Fall eine risikolose Existenzgrundlage.

Diese Behauptung mag vielleicht für die Vergangenheit zutreffen. Seit der Verkündung der Niederlassungsfreiheit und dem damit verbundenen Fortfall der Bedürfnisprüfung für Apotheken im Juni 1958 ist die Zahl der Apotheken zwar noch kräftig gestiegen, nämlich von 5800 im Jahre 1957 auf gegenwärtig 9800, gleichzeitig hat sich aber auch die Zahl der Insolvenzen in diesem Gewerbe erhöht, weil die Konkurrenzbedingungen wesentlich härter geworden sind. Es gibt keine zusammenfassende Statistik dafür, aber allein in Frankfurt mußten in einem Jahr in guten Geschäftsgegenden drei Apotheken ihre Pforten schließen.