Die Versicherungswirtschaft stellt sich immer stärker auf den Europamarkt ein. Das hat zur Folge, daß Kapitalausstattung und Geschäftsumfang mit neuen Maßstäben gemessen werden müssen. Mit einem vermehrten Interesse nordamerikanischer Versicherungsgesellschaften am europäischen Markt ist zu rechnen. Daneben schiebt sich das Problem der großen Einzelrisiken immer mehr in den Vordergrund. Das hat dazu geführt, daß in anderen Ländern sich Versicherungsgesellschaften zusammenschlössen, um mit verstärkter Kapitalkraft auftreten zu können. Deshalb ist das Streben der Allianz Versicherungs-AG, München–Berlin, der größten deutschen Sachversicherung, die über ihre Beteiligungsgesellschaft, die „Allianz-Leben“, gleichzeitig tief ins Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft hineingreift, nach einer breiteren Eigenkapitalbasis durchaus verständlich.

Den offenen Rücklagen wurden 1963 rund 25 Millionen DM zugewiesen gegenüber 24 Millionen im Vorjahr. Davon stammen 10,3 (Vorjahr 15) wieder aus versteuerten technischen Rückstellungen, die nach der Abwicklung der Schäden freigeworden sind. Damit haben die Rücklagen aller Kategorien 147 Millionen erreicht. Das Aktienkapital, das im Berichtsjahr von 52,8 auf 80 Millionen erhöht worden und mit 72,8 Millionen eingezahlt worden ist, wird – wie im Vorjahr – mit einer Dividende von 17 Prozent bedient. Von einer weiteren Kapitalerhöhung ist vorläufig nicht die Rede. Von den 8000 Stück Verwertungsaktien aus der letzten Kapitalaufstockung sind erst 5000 Stück placiert.

Das Versicherungsgeschäft selbst war durch Licht und Schatten gekennzeichnet. Dank der breiten Risikostreuung hat sich aber insgesamt ein etwas höherer Gewinn ergeben. Die Beitragseinnahmen sind weiter gestiegen, und zwar um 9,31 (11,01) Prozent auf 1187 Millionen DM. Der prozentuale Rückgang ergibt sich zum Teil aus dem Schadensfreiheitsrabatt bei der Kraftfahrtversicherung. Hinzu kommt, daß es der Allianz angesichts des erreichten Geschäftsvolumens von Jahr zu Jahr schwererfallen muß, die bisherigen Wachstumsquoten zu halten. Der Prämieneinnahme stehen Versicherungsleistungen von 383 (326) Millionen und 320 (481) Millionen für zurückgestellte Versicherungsleistungen gegenüber. Die Kosten des versicherungstechnischen Geschäfts haben wieder überdurchschnittlich auf 31,51 (30,44) Prozent der Nettobeitragssumme von 786 (713) Millionen zugenommen. Hier machen sich vor allem die höheren Personalkosten bemerkbar. Bei der Eigenart des Versicherungsgeschäfts ist es unmöglich, die Steigerungen durch Rationalisierungen zu kompensieren. Ein Überblick über den Verlauf der einzelnen Sparten zeigt, daß sich die Transportversicherung infolge des harten Wettbewerbs weiter verschlechtert hat. Verluste wiesen auch die Leitungswasserversicherung (eine Folge der langen Frostperiode im vergangenen Jahr), die Kraftverkehrsrechtsschutzversicherung und die Kernreaktorversicherung auf, teilweise zurückzuführen auf die Anlaufkosten.

Erstaunlicherweise haben die Kraftfahrzeugzweige, die mit 45,4 (46,1) Prozent an der Bruttoprämie beteiligt waren, ihr Ergebnis auf 9,85 (8) Millionen verbessert. Zu dem guten Ergebnis hat vor allem die Insassenversicherung beigetragen, während das Kraftfahrzeughaftpflichtgeschäft nach wie vor Sorgen bereitet. Die Allianz beklagt in diesem Zusammenhang den „aufwandsteigernden Einfluß der Gesetzgebung und Rechtsprechung“, die den Versicherungen immer neue Lasten auferlegen. Die Gesellschaft betont, daß sich im Wettbewerb um die schadengünstigen Risiken das System der Schadensfreiheitrabatte bewährt habe, wenngleich der Allianz ein Teil des guten Beamtengeschäftes verlorengegangen ist. Es besteht aber die Tendenz, sich auch von den notorisch schlechten Risiken zu trennen. Einen Überschuß hat auch das Feuergeschäft gebracht. Die Verluste bei der Industrie konnten durch die Überschüsse der anderen Sparten wieder ausgeglichen werden. Auf die Dauer ist das keine befriedigende Lösung, denn chronische Defizite sollten durch Prämieneinnahmen bei den Betroffenen beseitigt werden und nicht durch Abwälzen der Lasten auf andere Zweige.

Die Vermögenserträge haben mit 66,93 (61,57) Millionen zum Ergebnis beigetragen. Dabei ist die Durchschnittsrendite der „festen“ Kapitalanlagen (einschließlich Wertpapiere) auf 6,96 (7,1) Prozent zurückgegangen. Der Abschreibungsbedarf war wegen der günstigeren Börsenverhältnisse geringer. Es wurden für 2,93 (2,42) Millionen Kursgewinne realisiert. t. r.