Beamte unterbewertet

Kurt Simon: „Stückwerk“, ZEIT Nr. 21

In dem Artikel las ich unter anderem: „Wenig Fingerspitzengefühl bewies die Regierung, als sie ... auch ihren Beamten eine zehnprozentige Erhöhung ihrer Bezüge zugestand...“ Die Beamten – ohne das heute jedem anderen Arbeitnehmer zustehende Recht, durch zeitweise Arbeitsverweigerung eine gerechte Bezahlung für ihre Arbeit zu erzwingen – sehen sich immer mehr in die durchaus unwürdige Lage versetzt, mehr vor als hinter den Türen ihres Arbeitgebers, der jeweiligen Regierung, unter Geschrei und Lärm eine Anhebung ihrer Besoldung zu erbetteln. Tröpfchenweise, möglichst kurz vor Wahlen, unter großem Gejammer von Regierung und Öffentlichkeit, unter viel Getue und noch mehr Maßhalteappellen wird ihnen zugestanden, was selbstverständlich und zudem gesetzlich vorgeschrieben ist, ein ausreichendes, mindestens dem Durchschnittseinkommen der anderen Bürger entsprechendes Einkommen.

Ein recht provisorischer, mühsam um Erhalt und Ansehen ringender Staat wie die Bundesrepublik wäre gut beraten, wenn er seine Beamten anständig behandelte und ausreichend besoldete. Es sollte einleuchten, daß sich bei einer weiteren Unterbewertung des niederen Beamtenstandes

a) der tüchtige und begabte Nachwuchs noch und immer mehr vom Beamtenberuf fernhält,

b) Verbitterung und Resignation zu einem ständigen Absinken der Arbeitsmoral der Beamten führen,

c) in einer den Menschen vornehmlich nach seinem Einkommen beurteilenden Gesellschaft das Ansehen der Beamtenschaft restlos verschwindet.