Von Bernd C. Hesslein

Als der Norddeutsche Rundfunk im Jahre 1962 den Versuch machte, dem Schriftsteller Ernst Schnabel und dem Komponisten Rolf Liebermann die Herausgabe des Dritten Programms anzuvertrauen, meldeten sich skeptische Stimmen. Würden sich zwei Künstler gegen die Übermacht der Apparaturen des Rundfunkbetriebes durchsetzen? Heute, am Ende der zweiten Spielzeit des Dritten Programms des NDR und SFB, darf man sagen: Das Experiment – sofern es eines war – ist geglückt. Ich habe an Ernst Schnabel, den Mitherausgeber des Dritten Programms, einige Fragen gerichtet.

Sie beginnen jedes Abendprogramm mit vierzig Minuten Jazz. Findet diese Einstimmung den ungeteilten Beifall Ihrer Hörer? Dezimieren Sie dadurch nicht die am Dritten Programm interessierte Minderheit?

Unser Jazz von 19.20 bis 20.00 Uhr, der übrigens im Herbst bereits von 19.00 (bis 20.00) Uhr gesendet und nach dem Ende des abendlichen Programms jeweils bis 24.00 Uhr wiederholt werden wird, findet selbstverständlich nicht die Zustimmung aller Hörer des Dritten Programms. Aber er lockt junge Hörer, vor allem Studenten, an, die wir sonst schwerlich für uns gewinnen würden. Und viele bleiben dann – es ist uns bestätigt worden – über 20.00 Uhr hinaus unsere Gäste. Das ist der Vorteil dieser Einrichtung. Sie hat darüber hinaus die Annehmlichkeit für sich, daß sie uns selber gefällt. Wir hören einfach gern Jazz. (Und keinem Rundfunkmann sollte es verboten sein, an seinem eigenen Produkt gelegentlich Spaß zu haben.)

Diejenigen unserer Hörer, die Jazz nicht mögen, fühlen sich nicht mehr gestört (vor zwei Jahren war es anders, aber die Wogen der damaligen Aufregung haben sich inzwischen gelegt). Sie sind vernünftig und schalten das Dritte Programm einfach erst um 20.00 Uhr ein.

Dem Dritten Programm haftet das Odium an, nur für Snobs und Akademiker da zu sein, was durch eine sich anspruchsvoll gebende Wortwahl in den Ankündigungen gefördert wird (zum Beispiel Diallelen, Miszellen). Wie können Sie manchem Interessierten das beklemmende Gefühl nehmen, daß er den Abend in der guten Stube des Geistes verbringen muß? Wie können Sie ihm klarmachen, daß nicht Andacht, sondern Neugierde erwünscht ist?

Für die Vorstellungen unserer Kritiker kann ich nichts. Der latente Vorwurf, das Dritte Programm sei nur für Akademiker und Snobs da, ist falsch – und leider auch dumm.