J.M-M:

Diese Frage ist so dumm nicht, wie sie klingt. Denn die ZEIT hat einen ihrer Filmkritiker ins Kino geschickt. Und da hat die „Politisch – Soziale Korrespondenz“, ein offiziöses Organ der CDU/CSU, geschrieben, die ZEIT sei katholikenfeindlich. Nun habe ich zwar im (katholischen) Religionsunterricht gelernt: Seligsind, die Verfolgung leiden!“ Und ich habe auch noch vier Wörter hinzugelernt: „... um der Gerechtigkeit willen!“ Aber ich denke: Auf die Gefahr hin, daß die „Politisch-Soziale Korrespondenz“ mir nur wenig Chancen zur Seligkeit gibt, sollte ich mich doch ein bißchen zur Wehr setzen. Um der Gerechtigkeit willen!

Der Filmkritiker, den wir ins Kino geschickt haben, hat den polnischen Bildstreifen „Mutter Johanna von den Engeln“ gesehen und hat ihn gelobt, obwohl die Produzenten nicht katholikenfreundlich, sondern vermutlich außerordentlich katholikenfeindlich sind. Dennoch hat er den Film für gut befunden. Er hat außerdem gewußt, daß die-Kirche alles getan hat, Aufführungen dieses Filmes zu verhindern. Aber er hat geschrieben, die Kirche habe ein Recht darauf, das Ihrige zu sagen und zu tun. Er hat also Verständnis für die Katholiken gezeigt, obwohl er ein Evangelischer ist.

Evangelische Filmkenner haben den polnischen Streifen, der wilde Szenen von Besessenheit in einem Kloster schildert, wie es sie im Mittelalter, aber wohl auch zu Casanovas Zeiten gegeben hat, mit einem Preis bedacht. Warum wohl? Wollten sie etwa den Katholiken eins auswischen? Und dies in der Zeit des Vatikanischen Konzils?

Obwohl ich dem Glauben nach ein Katholik bin (kein Berufskatholik natürlich, wie offenbar einige Herren von der „Politisch-Sozialen Korrespondenz“), denke, ich nicht, daß die Evangelischen derart hundsföttisch sein könnten, daß sie ausgerechnet einen polnischen Film zum Anlaß nehmen, interkonfessionelle Bösartigkeiten auszutragen. Es ist – im Gegenteil – anzunehmen, daß die evangelischen Filmsachverständigen den polnischen Film ganz einfach für ein künstlerisch gutes Werk gehalten haben.

Genau dies hat der Filmkritiker der ZEIT getan. Nun, wir haben das Pech, daß in seinem Paß das Wort „evangelisch“ steht. Ich gebe offen zu, daß es mir momentan lieber wäre, die Eintragung laute „katholisch“. Warum? Weil ich, wie schon angedeutet, selber katholisch bin. Ich mag Katholiken. Ich denke nicht, daß sie dümmer sind als die Menschen lutherischen, calvinistischen oder jüdischen Glaubens. Viele denken, daß sie dümmer sind, ob sie nun eine „Korrespondenz“ herausgeben oder nicht. Ich denke es nicht.

Es ist nicht schwer, einen katholischen Filmkritiker in Hamburg zu finden (die Stadt hat seit dem Kriege eine große katholische Gemeinde, und es gibt einen Weihbischof hier, den wir alle gern haben – nicht bloß wir Katholiken). Aber es ist ziemlich schwer, einen guten Filmkritiker zu finden, egal welcher Konfession: einen Mann, der von Filmen wirklich etwas versteht.