Ludwig Erhard hatte es in der Woche nach Pfingsten auf sich genommen, einige Ärgernisse in der Bonner Ostpolitik beiseitezuräumen. Zuerst iid er CSU Boß che in sein Landhaus an Tegernsee. Die Konferenz war so geheim, daß nicht einmal ein Kommunique formuliert wurde. Erhardt strahlte hernach: "Ein Erfolg!" Die Außenpolitik ändere sich nicht. Mißtrauische Gemüter drangen in den Kanzler, ob es denn gar keine Gegensätze zwischen Strauß und Schröder gebe "Völlig abwegig Die Sprache von zwei Personen könne differieren — aach wenn beide dasselbe meinten.

Nicht ganz dasselbe meinte offensichtlich Strauß, als er zugab, für die CSU gebe es in der Außenpolitik "Nuancen der Bewertung". Er stellte lediglich persönliche, aber nicht sachliche Gegensätze mit Schröder in Abrede.

Was Strauß nicht sagei wollte, war am selben Tag in seinem Hausblatt "Bayernkurier" nachzulesen. Sein junger Pressechef Carl Schmoeller s:hrieb, angeblich nach Stichworten seines Herrn, frisch und frei von der Leber weg.

Erstens gegen Schrödsr — nicht alle Teilnehmer der NATO Konf erenz hätten den Deutschland Passus im Schlußkommunique von Den Haag so positiv beurteilt wie der deutsche Außenminister — Zweitens gegen Präsident Johnson: "Die Realität der Berlner Mauer verträgt sich nicht mit ein:r Außenpolitik, die bei Kaffee und Kuden und zwischen spielenden Kindern im Sarten des Weißen Hauses betrieben wird " Der "Bayernkurier" gab Schröder sogleich ein Rezept in die Hand: Er müsse, auch wenn er als Störenfried bezeichnet werde, immer wieder den USA klarmachen, daß die Regelung der deutschen Frage Inhalt aller Entspannungsversuche sein müsse (Johnson hat erst vor wenigen Tagen Erhardt persönlich versichert, die deutsche Frage bleibe auf dem Tisch ) Die Konferenz am Tegernsee mußte den Lesern des Schmoeller Artikels als eine Niederlage Schröders erscheinen. Schröder, so las man, habe das Wort von der "Politik der Bewegung" nictu mehr gebraucht.

Nur Hohn und Spott hatte der stellvertretende SPD Vorsitzende Herbert Wehübrig "Wer sich so auf der Nase herumtanzen läßt, der kann nicht mehr erwarten, daß man daran glaubt, er könne sich in seiner eigenen Partei durchsetzen " Eben dies wollte jedoch der Kanzler demonstrieren, als er zum Wochenende etwas plötzlich Bundesverkehrsminister te, dessen Nürnberger Pfingstrede vor den Sudetendeutschen im In- und Ausland eine schlechte Presse gefunden hatte. nem Amt entfernt wird, desto besser " Seebohm ließ aber schon vorher wissen, daß er nicht zurücktreten werde. Der Kanzler dachte gleichfalls nicht daran. Er hörte sich Seebohms Erläuterungen an und beanstandete dann einige Formulierungen.

Beim "kleinen Parteitag" der CDU, im Parteiausschuß, wurden Anfang dieser Woche diese Themen gar nicht mehr erörtert. Einen Nachtrag zu Tegernsee lieferte einzig Paneivorsitzender Konrad konferenz ausgeschlossen hatte. Die Bundesrepublik müsse, so mahnte der Altbundeskanzler, vor der Weltöffentlichkeit immer wieder die deutsche Frage zur Geltung bringen