In der letzten Woche setzte sich in den Hauptstädten der westlichen Großmächte die Erkenntnis de Gaulles durch, daß die ehemals französischen Staaten Indochinas – Nord- und Südvietnam, Laos und Kambodscha – nach wie vor eine strategische und psychologische Einheit bilden. Vom kommunistischen Hanoi aus hat man es ohnehin nie anders gesehen: Seit Jahr und Tag wird auf Dschungelpfaden in Laos und Kambodscha der Nachschub für die Vietcong-Rebellen in Südvietnam herangeschafft. Eine Eroberung von ganz Nordlaos durch die kommunistischen Pathet Lao-Verbände würde die Nachschubsituation erleichtern, den neutralistischen Kurs Kambodschas erschweren und die strapazierte Moral der Südvietnamesen erschüttern.

Seit Ausbruch der neuen Kämpfe um die Ebene der Tonkrüge beginnen die Großmächte, sich militärisch und diplomatisch auf eine neue internationale Krise einzustellen. In Südchina sind etwa hunderttausend Chinesen aufmarschiert. Thailand schickte drei Kompanien an die laotische Grenze. US-Flugzeugträger wurden vom Indischen Ozean ins Südchinesische Meer umdirigiert. US-Aufklärungsflugzeuge patrouillieren über den kommunistisch besetzten Gebieten. In Bangkok munkelt man, die Amerikaner würden abermals, wie 1962, ihre Marinesoldaten nach Thailand in Marsch setzen.

Vorerst bleibt abzuwarten, ob die laotischen Kommunisten bis an den Mekong marschieren wollen. Bei früheren Vorstößen blieben sie der thailändischen Grenze um respektvolle zwanzig Meilen fern. Die Diplomaten haben noch Zeit, drei Vorschläge zur Lösung der Krise zu studieren. Paris und Moskau wollen eine neue 14-Mächte-Konferenz in Genf, Peking ein Außenministertreffen in der Hauptstadt Kambodschas, die übrigen Westmächte lediglich Konsultationen unterhalb der Ministerebene.

Auf irgendeiner Ebene wird man sich treffen müssen, nachdem die neutrale „Ebene der Tonkrüge“ als Konferenzort der drei laotischen Prinzen ausgefallen ist. Kaum hatte Souvanna Phuma seine Neutralisten mit den Rechtsgruppen zusammengeschlossen, brach das Ungewitter über die kleine neutralistische Streitmacht des kleinen Generals Kong Le herein, die sich auf der Hochebene verschanzt hatte. Den paar Maschinen der königlich-laotischen Luftwaffe blieb nur noch übrig, mit US-10-Zentner-Bomben die Versorgungslager zu zerstören, die Kong Les Soldaten in wilder Flucht verlassen-hatten.

Die Regierung in Vientiane gab ihre neutralistische Position auf und ersuchte den Westen um Militärhilfe. Aber was können die USA noch tun? „Wir stehen vor dem Problem, die Kommunisten in einem Gebiet aufzuhalten, wo sie am schwersten zu bekämpfen sind“, stöhnte ein US-Offizier. Das dünnbesiedelte, bewaldete Hochland kennt weder Eisenbahnen noch moderne Straßen. Zwei Drittel sind bereits kommunistisch besetzt.

Ein anderer Ausweg bleibt: Außenminister Dean Rusk warnte, der Krieg könne nach Nordvietnam ausgedehnt werden, falls der kommunistische Nachschub durch Laos nicht eingestellt werde. Im Weltsicherheitsrat schlugen die Amerikaner vor, die Grenze zwischen Südvietnam und Kambodscha durch eine Truppe der UN für alle militärischen Bewegungen sperren zu lassen. Einen originellen Beitrag, der von MacArthur hätte stammen können, lieferte Präsidentschaftskandidat Barry Goldwater: Bomben auf Nordvietnam und China. Bäume und Büsche im Dschungel, meinte er, solle man mit kleinen Atombomben entlauben.

Die Regierung Johnson hielt sich an probatere Mittel: Sie erhöhte die Finanzhilfe für Südvietnam – zur Zeit täglich sechs Millionen, Mark – um nochmals 400 Millionen pro Jahr. Ein US-Geschäftsmann in Saigon kommentierte grimmig: „Man kann die Straßen Saigons mit Gold pflastern und doch den Krieg verlieren.“