Was der deutschen Landwirtschaft bereits seit mehreren Jahren prophezeit wird, droht nun wahr zu werden: Die Butter in der Bundesrepublik wird bald weniger Wasser und mehr Fett enthalten.

Auf dieses freundliche Entgegenkommen mußten die Verbraucher lange genug warten. Der international gültige Wassergehalt von sechzehn Prozent wurde ihnen immer wieder mit allerlei Ausreden vorenthalten. Einige Amtsgehilfen der Grünen Front im Bonner Ernährungsministerium waren um Argumente nie verlegen. Mit achtzehn Prozent Wasser sei die Butter besser zu streichen und länger haltbar, so hieß es dort zuweilen. Aber alle diese Eulenspiegeleien nützen nun nicht mehr viel. Durch die EWG-Milchmarktordnung ist die Bundesrepublik nämlich gezwungen, den Fettgehalt der Butter den internationalen Gepflogenheiten anzupassen.

Den Agrarpolitikern im Bundesrat, im Bundestag und im Bauernverband geht es indessen weniger um die Butter als vielmehr um den Milchpreis. Bei einer Butter mit höherem Fettgehalt und gleichem Preis ist der Verwertungserlös je Liter Milch niedriger; und so überlegt man denn bereits in Bonn, was zu tun sei, um diese Folgen zu verhindern.

Die Lösung des Problems liegt auf der Hand. Die führenden Agrarpolitker der CDU/CSU und des Bauernverbandes – was bei einer ganzen Reihe, von ihnen dasselbe ist – haben die Idee, im Herbst den Butterpreis nach oben zu schaukeln. Da in der Verordnung gleich noch eine andere Unsitte beseitigt werden soll, nämlich das Abpacken der Butter nach Brutto- für Nettogewicht, beträgt die Preiseinbuße rund 20 Pfennig pro Kilogramm. Die Hausfrauen werden sich also darauf gefaßt machen müssen, daß im Herbst nicht nur die saisonüblichen Preisverluste durch geeignete Manipulationen des Milch-, Fett- und Eierkontors (es ist eine kartellähnliche Einrichtung der Landwirtschaft) mindestens um jene 20 Pfennig angehoben wird.

Wer daran zweifeln sollte, daß dies der Bundeskanzler duldet, dem sei gesagt, daß Ludwig Erhard im letzten Herbst ganz bewußt einem ähnlichen Manöver zusah, bei dem die Butter ebenfalls um rund 20 Pfennig je Kilogramm teurer gemacht wurde. Die betreffenden CDU-Abgeordneten, die das seinerzeit mit Erhard absprachen, sind die gleichen, denen jetzt die zündende Idee gekommen ist. j. e.